Es ist alles so egal, es ist ja alles nur Event

Heutzutage kann man Ausstellungen zur Zeitgeschichte erarbeiten und einfach nur Bilder aus der BILD dazu heranziehen, ob diese manipuliert sind oder nicht. Das kann man sogar im Hamburger Kunstverein. Es ist ja alles so egal. Da kann dann schon mal der Redaktionsleiter den Kurator loben:

Florian Waldvogel, Sie haben ‘Bild’ begriffen, die Faszination ‘Bild’ begriffen, ‘Bild’ als Kunstwerk begriffen.

Und wie der SPIEGEL dazu anmerkt, hätte man sich für sowas früher geschämt.

die schärfsten Kritiker der Elche

sind selber welche… Diese alte Volksweisheit bewahrheitet sich mit gerade mit  unglaublicher Penetranz

Eine wildgewordene Günstlingsbande schlägt, da ihnen aber auch alle Argumente zum Abwehren der Vorwürfe entgleiten, mit wirklich allen Totschlagsargumenten um sich, die ihnen gerade einfallen. Und diskreditieren sich damit in deutlichster Weise selbst.

??? Die Kritik an Westerwelles Hofschranzen sei demokratiegefährdend? – Eher im Gegenteil, gehören doch Kritik und Transparenz zum unabdingbaren Repertoire der Demokratie. Ob ein Unternehmer, der sein Geschäftskonzept als schnell, oberflächlich und opportunistisch bezeichnet und ein Geflecht aus über 200 Firmenschachteln bastelt, in dem immer auch mal wieder Familienmitglieder des Herrn Außenministers Posten innehaben, schwul ist, interessiert doch wohl allerhöchstens am Rande. Die Steuerfahndung sollte sich für ganz andere Dinge interessieren…

??? Die Kritik an Westerwelles Ich-Auch-Bürschchen sei schwulenfeindlich? Ja, ist der Herr Boersch denn auch schwul? Wusste ich ja noch gar nicht… (Und interessiert mich auch nicht)

??? “Die anderen tuns aber auch … ” tja, mit einem Unterschied, Gabriel hat Vertreter der produzierenden Industrie auf seinen Reisen dabei gehabt, wohingegen Westerwelles Entourage sich wohl aus firmenverflechtenden Steuerfluchthelfern(“Summa summarum…”) zusammensetzt.

Unter Mißbrauch der Demokratie (eher der republikanischen Staatsordnung, aber so genau nehmen es die Herren Interessenhaber ja nicht) verstehe ich, wenn ein Außenministerium Erklärungen des Geliebten oder des Bruders (so genau will ich das gar nicht wissen) des Außenministers abgeben muß.

Ja sind wir denn in einer südamerikanischen Bananenrepublik (dieses Ressentiment sei hier als rhetorische Figur gebraucht)? Da sind sie auch katholisch.

Und da schließt sich der Kreis.

Kritik an kinderschändenden Pfaffen ist antiklerikal und Kritik an Hedgefond-Verwirrungs-Geschäftsleute-Liebchen ist demokratiefeindlich.

Danke schön für diese Lektion in Staatsbürgerkunde, werte Freche Dumme Philister (FDP)!

Es wird Zeit, dass diese Regierung sich selbst beendet.
Dann kann Frau Merkel hoffentlich auch wieder besser schlafen.

Und wir steuerzahlenden Bundesbürger müssen uns nicht von dummdreisten Raffkes belehren lassen und von peinlichen Figuren im Ausland vertreten lassen.

Perfide Logik

entsteht da gerade in der Yellow Press: weil das Privatleben von Politkern vorbildhaft zu sein habe, dürfe die Presse würdelos und respektlos diese Privatsphäre ausspähen und die Grundrechte der Ausgespähten mit Füßen treten?

So nicht, liebe Bunte mit deiner selbstgerechten Chef-Redakteurin …

Fremdschämen II: Kann man eigentlich seine Stadtbürgerschaft zurückgeben?

Ich bin Hamburgerin.
Das gefiel mir.
Das gefällt mir nicht mehr.

Dieses unsägliche Hin und Her um diese unsägliche Elbphilharmonie, die Kopfgeburt größenwahnsinniger CDU-Politiker, ist unvorstellbar.
Hanseatische Kaufmannstugenden trägt man vor sich her und dann läßt man sich um Hunderte von Millionen verschätzen.
Jeder anständige Mensch nähme da seinen Hut.

Aber nein, dieser kulturfeindliche Bürgermeister vergleicht seinen Dilletantismus nur mit dem Dilletantismus anderer und findet sich noch gut dabei.
Seine Bestätigung holt er bei den Enkeln. Die haben sich dann in 50 Jahren an dieses Monstrum gewöhnt und finden es gut, weil sie es nicht anders kennen.
Hamburg will nach oben, meint er. Was ist oben? Und wo wäre man dann da oben? Unglaubliches Gefasel.
Aber nun?

Der Senatschef dieser Stadtregierung, Kruse (CDU) gibt folgendes Statement zu dem Deseaster ab:
Es ist finanzierbar. Und schlimm ist es auch nicht, denn man muss das Elbphilharmonie-Projekt überprüfen und fragen: Ist es das wert? Ich sage ganz klar ja. Schlimm war nur das Hickhack der letzten Monate. Das war unerfreulich und auch schädlich für das ganze Projekt. Aber jetzt bekommt Hamburg ein Wahrzeichen, selbst wenn man die Musik nicht hören will. Von daher ist es ein tolles Projekt. Außer der Reeperbahn haben wir in Hamburg nichts, was weltweit die Menschen anzieht.

Da hat er den Nagel auf den Kopf dieser Regierung getroffen. Die wollen die Musik gar nicht hören. Die wollen angeben. Die verwechseln Kultur mit Reeperbahn.
Und wir sollen das bezahlen.

Und weiter geht das:
….. Oder nehmen Sie ein Projekt wie die Hafenquerspange. Sie wird, wenn sie kommt, 1,2 Milliarden Euro kosten. Und was bekommt man dafür? Ein Projekt, das Lkw von links nach rechts bringt. Dagegen ist die Elbphilharmonie etwas wesentlich Schöneres. Ich verstehe nicht, warum man bei Kulturprojekten immer die Neigung hat, das nur als Verschwendung anzusehen – und hyperkritisch ist bei Kostensteigerungen.

Nun versteigt er sich auch noch, Kulturfeindlichkeit zu postulieren um das eigene Versagen zu verschleiern.

Quelle 1: Kruse Interview
Quelle 2: Von Beust

(nicht-)polyglottes Fremdschämen?

Leider kein Englisch?

Der von mir so geliebte Perlentaucher hat heute ein Problem:

der Rezensent kann kein Französisch und deshalb traut er es den Perlentaucher-Lesern wohl auch nicht zu:

Altwegg porträtiert auch die Politikerin und Holocaust-Überlebende Simone Veil, die jetzt in die Academie Francaise (leider keine englische Website-Version) aufgenommen wurde.