Erlebnisfrieren

dann ist es wirklich kalt, wenn man sich so verliest:

Touristiker setzen auf Erlebnisferien

General-Abrechnung oder Rundumschlag?

Es fehlt nicht nur an einem Sinn für die Verbreitung wichtiger, aktueller politischer Inhalte. Erst recht habe ich den Eindruck, es fehlt auch an der Einordnung. Aber genug der Klage. Ob es noch schlimmer werden wird, ist unklar, bleibt abzuwarten oder wird sich zeigen.

Zu dieser Conclusio kommt Herr Wickert, ehemals "Anchorman" der Tagesschau, man kann auch sagen: Nachrichtensprecher, in einem Beitrag der FAZ: Wickert bemängelt Nachrichten.

Er kanzelt die Öffentlich-Rechtlichen ab, zuerst ob ihres Sprachgebrauchs, dann ob ihrer Berichterstattung, hierbei ob der Priorisierung der zu sendenden Themen und der Auswahl der Kommentatoren, man merkt, ihm reicht es.

Ihm ist der Langmut abhanden gekommen. Mir schon lange.

Nun gibt es natürlich eine lange Debatte im Netuz, ob er Recht hat, ob er eitel ist, wie die Redaktionen darauf reagieren. Da wird hin- und her-argumentiert, das muss ich hier nicht weiter ausbreiten.

Ich füge nur meine Meinung hinzu:

Ich ärgere mich, wenn Ereignisse des Zeitgeschehens von Unterhaltungs-Clowns wie Gottschalk und Konsorten präsentiert werden.

Ich ärgere mich, wenn Information durch Infotainment plattgemacht wird.

Ich ärgere mich, wenn weiterhin dumme Konsumenten anstatt mündiger Bürger als Zielgruppe definiert werden.

Und da bin ich mir schon mit Herrn Wickert einig.

Wiedergänger

wikipedia beschreibt Wiedergänger so:

Michael Jackson

Als Wiedergänger, auch Widergänger, werden unterschiedliche Gespenstererscheinungen aus verschiedenen Kulturkreisen bezeichnet. Die beiden Schreibweisen sind das Ergebnis einer Gelehrtendifferenzierung im 17. und 18. Jahrhundert. Sie beziehen sich nicht auf unterschiedliche Erscheinungsformen. Der Kern des Wiedergänger-Mythologems ist die Vorstellung von Verstorbenen, die – oft als körperliche Erscheinung – in die Welt der Lebenden zurückkehren. Sie sind den Lebenden meist böse gesinnt und unheimlich. Sei es, weil sie sich für erlittenes Unrecht (z. B. Störung ihrer Totenruhe) rächen wollen; sei es, weil ihre Seele auf Grund ihres Lebenswandels nicht erlöst wurde.

 

Wir erleben gerade dieses Phänomen in penetrantester Form.

Als ob  eine Verschwörung zuschlägt und jeden Redakteur in welcher Anstalt auch immer zwingt, diesem unsäglichen Tropf hinterherzuweinen und uns Zuschauer zu molestieren.

Als ob dieser Mensch nicht schon Molestierung genug war. Und als ob es nicht gut ist, daß es jetzt ein Ende hat.

 

MRR findets banal und ich fremdschäme mich

Herr Reich-Ranicki nimmt die Dinge ernst. Wenn es einen "Deutschen Fernsehpreis" gibt, mit dem er geehrt werden soll, dann nimmt er den Preis ernst, weil er sich selbst auch ernst nimmt.
Und dann erlebt er das.
Und weigert sich, den Preis entgegenzunehmen.

Gut! Leider ist die Berichterstattung nicht so ausführlich, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hätte gerne seine deftigen und treffenden Aussagen gelesen.

Allein ein Zitat aus dem Tagesspiegel-Bericht:
Die Serien und Shows, die für den Fernsehpreis der großen Senderfamilien ARD, ZDF, Sat1 und RTL nominiert wurden, bezeichnete der seit ehedem streitbare Literaturkritiker schlicht als "Blödsinn".

Aber wie der Tagesspiegel dann auf die Idee kommt, von Senderfamilien zu sprechen, verschließt sich mir vollends.

Über ein Jahrzehnt sei "Das literarische Quartett" der Pflichttermin für Literaturbegeisterte gewesen, hatte der Vorsitzende der Stifter, ZDF-Intendant Markus Schächter die Entscheidung begründet. Reich-Ranicki sei es gelungen, Literatur mit dem Publikum zu vereinen.
Tja, Literatur vom Publikum wieder zu trennen, dafür brauchten die nun Auszeichnenden kein Jahrzehnt. Das haben die schneller hinbekommen.
Marcel Reich-Ranicki
Das Bild stammt aus der Webseite des Deutschen Fernsehpreises, die sich genauso verhält, wie Herr MRR das kritisiert, laut und hässlich und vor allem dümmlich.

Spannend ist nun, ob die Aufzeichnung gesendet wird…

Die Reihe der bisherigen Preisträger ist auch illuster: 9 Herren und eine Frau, Inge Meysel. Das Lebenswerk von Frauen spielt sich eben doch nicht im Fernsehen ab.
Und wenn ich mir dann die Laudatoren ansehe, schäme ich mich. Fremdschämen ist das richtigere Wort.

PS zur Webseite:
ja, das passt: für solche peinlichen Webauftritte ist Joomla! das richtige ContentManagementSystem.
Wunderbare Wahl. Wie Mist doch immer wieder zu Mist kommt…
Oben auf der Seite prangt ein wunderbares "Mambot", welches auch noch falsch zählt:

"Noch -1 Tage bis zur Verleihung"
Ich denke, der Minus-Tag war gestern, am Samstag, als diese unsägliche Gala abgehalten wurde..