Wem hilft eine Entschuldigung?

Herr Murdoch entschuldigt sich bei den Opfern und die zuständige Redakteurin tritt zurück,

Und das wars dann? Solche Lippenbekenntnisse helfen doch nur dem, der meint sich ent-schuldigen zu können. Er ist dann erleichtert und macht weiter. Und die Opfer leiden weiter unter ihrem Trauma.

Muss sich nicht die Gesellschaft, die jahrelang zugesehen und sich an den Skandalen und Kriminalgeschichten delektiert hat, endlich nachschauen, ob sie solches Treiben weiter zulassen will?

Wer sagt denn, daß in Deutschland (oder meinetwegen in Belgien, auch eine Hochburg der Yellowpress) so nicht gearbeitet wird?

Haben sich Springer, Burda schon mal entschuldigt?

Günter Grass spricht Wahrheiten deutlich aus

In Hamburg fand die Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche statt und neben der Verleihung der Verschlossenen Auster an die Atomwirtschaft, RWE, EnBW, Vattenfall und EON, gab es mannigfältige Diskussionen und einen Vortrag von Günter Grass.

Der 83-jährige Literaturnobelpreisträger sagte am Samstag als Gastredner bei der Jahreskonferenz der Journalistenvereinigung «Netzwerk Recherche» in Hamburg, das Auseinanderdriften in eine Klassengesellschaft mit verarmender Mehrheit, der staatliche Schuldenberg, die Ohnmacht der Politiker gegenüber der Macht der Interessenverbände sowie der «Würgegriff der Banken» mache es nötig, die Systemfrage zu stellen.

Es geht nicht darum, die Revolution auszurufen, sagte Grass. Es stelle sich aber die Frage:

«Ist ein der Demokratie wie zwanghaft vorgeschriebenes kapitalistisches System, in dem sich die Finanzwirtschaft weitgehend von der realen Ökonomie gelöst hat, doch diese wiederholt durch hausgemachte Krisen gefährdet, noch zumutbar?»

In der anschließenden Diskussion sagte er, er halte die Demokratie aber für reformfähig.

Quelle: Presseveröffentlichung nr

Lobby-Arbeit oder netzwerken?

Da lädt der größte Energielieferant Hamburgs, an den der vorige Senat die HEW ausgeliefert hatte, zu einem Sommerfest und alle üblichen Verdächtigen kommen. Auch der ehemalige Hamburger OB, der einfach so hinschmiß, der sich aber inzwischen wieder eine Rückkehr in die Politk vorstellen kann (wir nicht!), kommt und hält hof.

Der  Hofberichterstatter im Hamburger Abendblatt beschreibt dies so:

Zu spanischen Klängen und asiatischen Häppchen wurde genetzwerkt.

Ich nenne das Lobbyismus. Aber ist ja egal. Heute ist ja alles beliebig.

Der NDR schaut in die Kristallkugel,

sieht die Wahlergebnisse der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern voraus und lädt deshalb nur die Kandidaten zu Kandidaten-Duellen im TV  ein, die seiner Prognose nach Chancen haben, in das Amt des Ministerpräsidenten gewählt zu werden. Oder anders gesagt: er beugt sich der autokratischen Selbstherrlichkeit der Herren Sellering und Caffier.

Das ist in meinen Augen  eine unglaubliche Haltung, die der öffentlich-rechtliche Norddeutsche Rundfunk da vertritt.

Und es ist einfach unglaublich, daß die 2 Kandidaten der SPD und der CDU meinen, sie könnten entscheiden, welche Kandidaten im TV bei der Sendung teilnehmen können und welche nicht.

Ich bin zwar nicht Freund mit den Linken, aber ich meine doch, daß ein öffentlich-rechtlicher Sender den Verhältnissen im Lande verpflichtet ist.

Wieder einmal ein Zeichen für die parteipolitische Ausrichtung der “der Demokratie verpflichteten” Sendehäuser und für die diktatorische Selbstherrlichkeit der (noch) gewählten Politker.

Quelle: http://www.ostsee-zeitung.de/

Social Media enttarnt

Das Abendblatt beschreibt einen FlashMob in Hamburg-Altona, organisiert über Facebook.

Die beiden Mitläufer Sandra und Janina kennen hier keinen, sie haben über Facebook bei Freunden gesehen, dass sie teilnehmen und sind spontan hergekommen

ja, mitlaufen und niemanden kennen, aber Facebook-Freunde haben ;=)

Wer “gute Musik” zum Leben braucht,

ist in dieser Konsumgesellschaft samt Verblödungsindustrie verraten und verkauft. JazzBaltica-Mitschnitte werden nachts um drei gesendet, “Kultursender” senden nur Verschnipseltes aus Saintmartininthefieldsunterderleitungvonsörnewilmariner und im Einzelhandel?

Wo würden Sie eine CD des Labels kairos finden? Saturn räumt um und versteckt die letzten Alibi-Scheiben im allgemeinen Gemüse-Fach, JPC gibt es schon lange nicht mehr in der Innenstadt (was ist aus den kompetenten Verkäufern geworden?), also nur im Onlinehandel? Da finde ich zwar die CDs, die ich bestimmt gerne hätte, aber ich habe sehr wenig Chancen, auf Unbekanntes, Reizvolles zu stoßen oder fachkundigen Empfehlungen zu folgen und auch mal einen Kauf zu wagen.

Denn im Online-Handel wird mir aufgrund ausgefeilter Cookie-Auswertungen etc. nur empfohlen, was ich sowieso schon kenne, kaufte, suchte oder zusätzlich was die “breite Masse” gerade bevorzugt, da platzt dann schon mal LadyGaga zwischen die klassische armenische Musik, nein das ist es auch nicht.

Nun drohte in Hamburg dem letzten mir bekannten qualifizierten Laden das Aus. 6 Fachkräfte waren schon gekündigt, denn HanseCD wurde die Miete erhöht. Und Ertrag/qm ist ja die einzige Leitlinie dieser Shopping-Hochburgen, die doch angeblich die Anziehungskraft der Innenstadt erhöhen sollen (denn nur wenn ich den gleichen Scheiß wie in anderen Shopping-Zentren anbiete, kommen Kunden, warum sollten sie sonst kommen?)

Aber es ist ein Wunder geschehen. Kundenproteste und Zeitungsberichte haben tatsächlich dazu geführt, daß Gespräche geführt wurden, die letztendlich zu einem positiven Ergebnis führten: der Laden bleibt (an anderer Stelle), die Mitarbeiter bleiben den Kunden erhalten und wir Kunden können uns ein wenig besser fühlen.

Aber die Argumente sind schon erstaunlich:

“Vielleicht haben wir anfangs nicht gut genug verstanden, was die Bedürfnisse von Hanse-CD sind”, räumt ECE-Öffentlichkeitsarbeiter Christian Stamerjohanns ein. Er hatte damals bereits gesagt, dass ein Laden wie Hanse-CD “Gold wert” sei für den Branchenmix in der Einkaufspassage. Offensichtlich setzt sich eine solche Sicht in einem großen Unternehmen wie ECE nicht automatisch durch. “Wir haben uns jetzt über die Standardverfahren hinausbewegt und auch Schmerzgrenzen überschritten”, sagt Stamerjohanns.

(aus dem Abendblatt)

Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wieweit vom Alltag diese Herrschaften Einkaufszentrenleiter denken und rechnen. Wie schmerzbefreit sie sind angesichts des öden dudel-Einerleis in den Lädenpassagen, wie sehr sie ihre hohlen Phrasen von “Branchenmix” und “Angebotsstreuung” selbst widerlegt haben.

“Vielleicht haben wir anfangs nicht gut genug verstanden, was die Bedürfnisse von Hanse-CD sind”

dieser Satz ist entlarvend. Das Bedürfnis von Hanse-CD ist, wie bei jedem Wirtschaftsbetrieb auch, Rendite. Dazu allerdings die Leidenschaft für “kulturelle Produkte”. Die Notwendigkeit von Rendite ist sicherlich auch für solche BWL-Oschis nachzuvollziehen, aber in der ganzen Argumentation kommen die Kunden gar nicht vor.

Das alte angebliche Klischee von marktregelnder Nachfrage und Angebot ist ins Gegenteil verkehrt: Das forcierte planierte Angebot kanalisiert die Nachfrage, und wenn das dann mal nicht klappt, dann “überschreitet man Schmerzgrenzen” und akzeptiert die Existenz von Geschäften, deren Angebot nicht aus elitären Hundehalsbändern oder immergleichen Schrottklamotten besteht.

Für eine derartige Rettungsargumentation braucht es natürlich einen Öffentlichkeitsarbeiter.

Billigst-Roman-Bieter oder Billigstromanbieter?

Ein Sprach-Gefühl oder zumindest ein gutes Silben-Trenn-Programm wäre manchmal gar nicht so verkehrt, für Schnell-Leser eine große Hilfe und Schutz vor Mißverständnissen zudem…

das Abendblatt mal wieder, (Überschrift eines Bezahl-Artikels, deshalb nicht verlinkt)

Vielleicht sitze ich zu viel am PC

aber für mich bedeutet ESC “Escape / Abbrechen” und nicht das hirnlose Gebrabbel rund um irgendwelche von der Musikindustrie geschaffenen Zombies. (Ist aber schon erstaunlich, wie schnell dieses Acronym etabliert wurde für den European Song Contest, ging genauso schnell wie das plötzlich in allen Sportschlagzeilen auftauchende Wort Relegationsspiel.)

Wie kann es angehen, daß selbst (noch relativ) angesehene Feuilletons / Magazine / Zeitungen über Moderatoren-Qualitäten richten und Hochrechnungen über angeblich zugeschaltete und eingeschaltete TV-Geräte endlos wiederkäuen?

Haben die Batterie-Zellen der TV-Fernsteuerung  nun endgültig die Grauen Zellen ersetzt?

4% aller Bundesbürger

lesen beispielsweise klassische Literatur. Dazu gehöre ich.

Ich habe noch nie erlebt, daß ob dieser Bevölkerungsgruppe die Abendnachrichten der großen Fernsehsender 45% ihrer Sendezeit dafür aufwenden, über die Vorlieben und Trends in dieser Gruppe zu berichten. Auch wurde beispielsweise ich als Vertreterin dieser Gruppe noch nie 10 Minuten lang vor dem Hintergrund des Reichstags in Berlin live interviewt.

Die Gurkentruppe der FDP hat auch nicht mehr Anteile. Aber seit Tagen blockiert sie die Sendezeiten. Seit Wochen hat diese Vereinigung karrieresüchtiger Milchbubis in Konfirmandenanzügen ungebremste Medienaufmerksamkeit, seit Wochen sondern sie Worthülsen ab, belästigen mich.

Dann wird ein kleiner Mann, der Gesundheitsminister war, aus eigenem Ermessen plötzlich Wirtschaftsminister.  Auf diesen Wechsel angesprochen reagiert er mit inhaltslosen Flachargumenten wie “Das sei Teil des Gesamtkonzeptes” etc.  Gründe scheinen dabei  nicht auf.

Frau Merkel, die Kanzlerin, bestimmt meines Wissens die Richtlinien der Politik. Sie läßt sich dabei das Heft permanent von gegelten Grinsemännchen aus der Hand nehmen. Wie es ihr dabei geht, ist ihr anzumerken, weiß Ihr Gastro-Enterologe sicherlich genau.

Aber wie es den Bürgern dabei geht? Wie es Deutschland dabei geht?Und Europa?

Dies ist die schlechteste Bundesregierung seit langer Zeit. Unselige Außenpolitik, nicht wahrnehmbare Innenpolitik, sich wichtigtuende blondgelockte Ministerinnen und aufgeblasene Jüngelchen …

Haben diese Selbstprofilanten vielleicht schon gemerkt, was in Europa, in Nordafrika gerade geschieht? Daß dringend Handlungsbedarf besteht? Daß eine humanitäre Katastrophe im Mittelmeer stattfindet? Nein, sicherlich nicht.

es ist nicht zum Aushalten. Als ob es keine Politik abzuarbeiten gäbe …

Laßt mich bloß in Ruhe…

Ich verteidige mein Recht auf intellektuelle Unversehrtheit und werde deshalb heute mein online-Abo des Hamburger Abendblattes kündigen, diese 2 Schlagzeilen reichen aus für die finale Kündigung:

“Hamburgs beste Heiler” kostenlos für das iPad

und

William & Kate: So feierte Hamburg das Traumpaar

Seite 4 von 58« Anfang...23456...102030...Ende »