die schärfsten Kritiker der Elche…

sind selber welche.

Kai Diekmann, hauptverantwortlich für die “Blöd”-Zeitung, schreibt in einer christlichen ZEIT-Beilage über das orthografische Gestammel und beklagt die voranschreitende Analphabetisierung der deutschen Gesellschaft.

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Nachbetrachtung

ich habe meinen Ärger zurückgehalten, nicht gleich polemisiert gegen die Documenta XII, die ich mir kurz vor Ausstellungsschluß noch angesehen habe.

Nun habe ich mich überprüft und siehe da, der Ärger ist immer noch da.
Worüber habe ich mich geärgert?

Daß ich als gutwilliger Kunstliebhaber und – Betrachter so verachtet werde.
Wieso verachtet? Weil ich mir Mühe gebe in der Auseinandersetzung mit der Kunst und dies auch von den vermeintlichen “Künstlern” und den “Kuratoren” erwarte.
Und was bieten mir diese an? Scheißdreck, auf gut deutsch.

Nur zwei,drei Beispiele, die mich aber doch sehr geärgert haben (ich nenne keine Namen, weil ich die mir nicht merken möchte und ich zitiere auch nicht aus dem Katalog, wie ich eigentlich vorhatte, weil ich mich dann noch mehr ärgern müsste)

da stellt doch eine Künstlerin die erstaunliche “Plastizität” von Kaugummi fest, daß der immer wieder neu aussieht, wenn man ihn aus der Gosche nimmt, und deshalb bappt sie diese Klumpen auf ein Mäuerchen und fotografiert sie.
Ja, mein Gott, wäre das Zeig nicht plastisch, hätten sich Millionen von Amis die Zähne ausgebissen…..

da stellt und legt eine Künstlerin Belüftungsanlagenteile in den Raum oder hängt sie an die Decke und postuliert
=> “weg vom autoritären Künstler – hin zur Partizipation” danke, ich spiele normalerweise nicht mit Bauklötzchen und hasse Baumärkte

=> “weg von der Kunst – hin zum Alltag”
Ja warum hat sie dann die Teile nicht gleich im Baumarkt gelassen????

da hängt eine Photographie vom Künstler auf der Schulter des großen Majakovski-Denkmals in Moskau an der Wand, damit ein geschwätziger Kurator damit angeben kann, daß er mal in einer WG in Moskau gewohnt hat und das Denkmal (ohne diesen Künstler) aus seinem Fenster sehen konnte… O mein Gott!
Da sind wir aber froh für ihn…

Nein, diese Dokumenta war eine Meisterleistung des “Kaisers Neue Kleider – Prinzips”: statt “Er hat ja gar nichts an” nun eben “das ist nicht Kunst”

Warum soll ich mir Geo-Reportagen aus dem Kongo ansehen auf einer Kunst-Ausstellung?
Warum soll ich auf einem Videoschirm einem muslimischen Prediger zuhören?
Warum soll ich mir Video-Spielereien mit Fussball-WM-Schnipseln ansehen?

Noch einmal hinter Eure Ohren:

KUNST HAT AUCH RÄTSEL, KUNST IST MEHRDEUTIG UND NICHT PLATT,

KUNST ist auf keinen Fall eine Gesamtschau von Mittelstufen-Projektwochen

und auf Projektwochen-Niveau war diese Veranstaltung zweifellos.

Und mich ärgert das. Dieses ganze Oberstufengetue, sei es die Galerie für Landschaftskunst in Hamburg, sei es die Documenta, immer dieses “schaut her, wir haben mit Klötzchen gespielt… und Ihr müßt das nun für Kunst halten” geht mir echt auf den Keks,

weil es mich unterfordert.
Und weil es die Kunst tötet.

Wie schrieb ein Kritiker schon (und wie recht hatte er):
Die documenta 12 wird als höfische Inszenierung im Gedächtnis bleiben. Sie ist ein Akt der Willkür, der selbstgefällig die eigene Subjektivität dem Rest der Welt als Anreiz zum Nachdenken verkaufen will. (Gerrit Golhlke bei ArtNET)

Sie können es einfach nicht zugestehen

Weltmeisterinnen
Gerade mal im Fotostrecken-Titel können sie das Wort benutzen (und die Meldung erst als vierte plazieren…), die Herren Journalisten

das muß einen Grund haben, diese Sperre:

ist das tatsächlich so ein Schock für die Männer?
Sind denn die Männer Weltmeister und nur die Männer?
Nehmen die Frauen den Männern jetzt auch diese Rolle weg?

Oder was sind die Gründe für dieses Verschweigen, dieses Ignorieren, Nicht-Würdigen?

Nein, Ihr Sport-Deppen:

Weltmeisterin

Deutschland ist WeltmeisterIN!

Und Ihr blöden Radio- und sonstige Chauvis, die Ihr tatsächlich glaubt, in den Nachrichten erst den Lokführerstreik zu nennen, dann Berichte über das Spiel Cottbus-Hannover bringen zu müssen, bevor Ihr auch nur in einem Satz über den Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft bringt:

wie kleinmütig seid Ihr eigentlich?
Hat schon irgendeinmal eine deutsche Männer-Mannschaft die Weltmeisterschaft gewonnen, ohne auch nur ein einziges Tor zu kassieren?
Aber das ganze Land in den Fußkommerzballwahnsinn zu treiben, 2006, das habt Ihr gekonnt!

Na? Nein! Wir Frauen werden es Euch noch zeigen!

Glück allein macht nicht glücklich

so wirbt ein Prekariats-orientiertes Bankinstitut ganz im Trend der Zeit.

“Wenn eine Kultur wie die unsere alles unternimmt, um die Melancholie zu verbannen oder zumindest 'unschädlich' zu machen, handelt sie der Melancholie gegenüber verantwortungslos und beraubt auch die Menschen des Erlebnisses einer sie überragenden Transzendenz, der Einsicht, dass der Mensch trotz seiner Größse und Begabung keinesfalls allmächtig ist. Der permanente Mangel an transzendenten Erlebnissen führt zum Unglücklichsein; und alle Versuche, diesen Mangel durch immer neue Varianten des 'Sei glücklich!' zu beheben und durch die allgemeine Verfügbarmachung aller Dinge abzusichern, werden vergeblich sein. Ein solches Unglücklichsein ist nicht identisch mit der Melancholie. Die Melancholie kann den Menschen auch zu Einsichten verhelfen; das Unglücklichsein hingegen macht leer und apathisch.”

meint dazu Laszlo F. Földenyi in der NZZ.

Dieses Zitat fand ich im Perlentaucher, und der komplette Text steht in der NZZ.

Was eine Wortwahl ausmachen kann

Sven Felix Kellerhoff schreibt in der WELT:

Schon wieder ist ein Album aus einem KZ aufgetaucht. Bei ersten Mal waren es die Fotos der Täter, nun sind es Zeichnungen, die ein Häftling angefertigt hat. Einzigartig sind die Bilder nicht – aber sie geben Auskunft über das schreckliche Leben im KZ Dachau.

und dieses Schon wieder… souffliert sofort Ermüdung, satthaben, es reicht, hört auf damit, was braucht es das noch..

Was zwei kleine Worte bewirken können (oberhalb der Bedeutungsebene…)

Erst plappern sie los…

und wenn sie dann was auf die Nuss bekommen, entschuldigen sie sich und sprechen von Mißverständnissen.

Das einzige Mißverständnis, das in solchen Fällen zu konstatieren ist, ist der Glaube, man könne ohne zu denken und irgendetwas verstanden zu haben, unreflektiertes (oder eben doch reflektiertes) Geschwätz absondern.

Wie schade, wenn dann wirklich jemand zuhört, dann muss man sich ja entschuldigen…

Kann man sich für Dummheit entschuldigen?

Daß die Protagonisten dumm sind, wie z.B. Frau Herrmann, ist ja nicht das Problem.

Das Problem liegt darin, daß die Öffentlichkeit dumm ist.

Sonst kämen solche Knallchargen doch nie vor irgend ein Publikum.

Hamburg findet zu sich selbst: 14 Stunden Kunst und Shopping

das kann ja auch nicht angehen: eine ganze Nacht nur Museen und Gallerien offen… das ist doch nichts für einen Hamburger! Da muß doch noch was Anderes sein!

Zwar bleibt die Kunst nach wie vor nicht käuflich, und wie schon bisher werden Deichtorhallen, Kunstverein, Freie Akademie, Kunsthaus, Galeriehaus, Zentralbibliothek, Goethe-Institut, Instituto Cervanters, Museum für Kunst und Gewerbe, Kunsthalle, Haspa-Galerie und Bucerius-Kunst-Forum ein vielfältiges Programm vor und hinter den jeweiligen Kulissen anbieten, doch damit nicht genug: Erstmals sind nun auch die Geschäfte auf der Spitaler- und der Mönckebergstraße parallel geöffnet. Und einige Konsumtempel präsentieren sogar ein eigenes Kulturprogramm.

Von Synergien ist viel die Rede, die Einzelhändler erhoffen sich kauffreudige Kunstfreunde, und die ewig klammen Kunstinstitute haben nun dank der Unterstützung der Kaufleute erstmals die Möglichkeit, flächendeckend für den Tag der Kunstmeile zu werben.

Und nächstes Jahr heißt das dann “14 Stunden Shopping und Kunst” und danach überläßt man die Kunst wieder den Alleinunterhaltern und Silvermen und südamerikanischen Elcondorpasas….

und alles ist wieder im Lot. Oder war was?

Wenn man schon

nicht mal mehr das Wort

Frühschoppen

schreiben kann, sondern nur noch Frühshoppen ….

Ich nenne es substanzlose Blödheit

verwöhnter abgefederter Kinder….

was die Organisatoren von 9to5.wirnennenesarbeit.de, diese selbsternannte Elite, da von sich absondern

was tun die denn? Produzieren Werbung und Webseiten. Also heiße Luft.
Und wichsen sich dabei ganz gehörig einen ab.
Eine ungeheure, nie von der Wirklichkeit gebeutelte Arroganz verwöhnter Blagen ist das
Das Schlimme daran ist, daß diese Selbstbeweihräucherung, dieses Ego-Marketing ernstgenommen wird, (ich schimpfe ja auch drüber…)

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