Unter dem Weihnachtsbaum … strebt die Affirmationsdynamik der Konsumkultur ihrem Höhepunkt zu
… denn Weihnachten ist ein Familienfest. Was nicht heißen muss, von Leuten umgeben zu sein, die nur das Zimmer voller machen. Aber genau dazu wird eine Heiligabendgesellschaft, die sich nicht auf einen musikalischen Kanon einigt. Ohne Musik mutiert die Bescherung zu einem Actionfilm, dem der Ton abgedreht wurde.
Als säkulare Alternative zu Kirchenorgel und Knabenchor hat sich eine übereuphorisierte Trash-Kultur entwickelt.
ein distanzierter Artikel im Tagesspiegel, der dann aber doch auch der Falle nicht entkommt:
… Auch diese Platte wird all jene kaum eines Besseren belehren, die Weihnachten mit kratzigen Pullovern und zu vielen Knoten im Geschenkband verbinden. Doch aus Stevens’ warmherziger Aufforderung, die Lichter in den Baum zu hängen, die Oma anzurufen, wenn sie alleine lebt, und, sollte sie weinen, ihr zu versprechen, dass man vorbeikommt („Put The Lights On The Tree“ ), spricht ein Humanismus, den wir bitter nötig haben.
Also Leute, zeigt ein wenig normales emotionales Verhalten und das Fest ist gesichert…
Die Auszeichnung von Abts ist ein Indiz dafür, daß die Kunstwelt in zwei Hälften zerfällt: in eine, die an einem pathetischen, kritischen Kunstbegriff festhält und von „Kunst“ erwartet, daß sie neue Sichtweisen eröffnet, durch visuelle Schocks und Verführungen das Sehen und Denken nachhaltig ändert, vorsprachlich etwas aufscheinen läßt, was anders nicht formulierbar ist – und in eine, die zwischen Kunst, Design und Kunsthandwerk nicht mehr trennen mag und nur noch danach urteilt, ob etwas „formal gelungen“ sei, wobei die Kriterien für „Gelungenheit“ (alternativ auch „Hochgelungenheit“ ) in den Hymnen auf Tomma Abts reichlich schwammig bleib
(aus der FAZ)
es lebe die beliebige Belanglosigkeit oder die belanglose Beliebigkeit?
des Marktes ist das zwischenzeitlich Unschickliche nun wieder schick. Gut ist, was sich gut verkauft. Und da alle nur das Beste wollen, zieht die Presse mit. “
So schreibt die Berliner Zeitung über die Werbemaschinerie für Anna Netrebko.
Und Netrebko? Egal ob sie Rimskij-Korsakows Schneeflöckchen oder Tschaikowskys Tatjana im Munde führt, sie singt alles mit der gleichen, samtig schönen, milchglasmilden Säuselstimme, wie eine Elfe, die nicht Mensch werden kann. Kaum artikulierend, wirkt Netrebko wie gedopt, um die Gabe eigener Rede gebracht, eine selbst-lose Schönheit.
Netrebkos Gesang ist von Sprache und Körper gelöst, ihre Stimme vom Orchester umnebelt. Vielleicht ist es gerade das, was ihren Erfolg ausmacht: Gesang als neutrale Leinwand, der Projektionen jeder Art ungebrochen zurückwirft. Softpop-Hörer sind zudem an Stimmen gewöhnt, die durch die Nähe zum Mikrofon jeder Anstrengung enthoben werden. Und nach sprachlichen Formen fragt ja kaum jemand.
“Russian Album” bestätigt Westlern ihre Klischees von Russland.
nutze sie auch, trage ab und an auch etwas dazu bei, entweder bei wikipedia.de oder bei armeniapedia, habe selbst ein Wiki am Laufen, wenn auch geschützt, bei petuschki.net , aber dieser Ausspruch von Jaron Lanier trifft den Nagel auf den Kopf:
In der Wikipedia-Welt bestimmen jene die Wahrheit, die am stärksten besessen sind. Dahinter steckt der Narzissmus all dieser kleinen Jungs, die der Welt ihren Stempel aufdrücken wollen, ihre Initialen an die Mauer sprayen, aber gleichzeitig zu feige sind, ihr Gesicht zu zeigen.
12.11.2006 in:
Perfide|Kommentare deaktiviert
Ähnlich dieser Aussage werden wir unsere Mobilfunk-Services zukünftig unter dem Namen “callmobile” anbieten. Mit dieser Umbenennung möchten wir noch stärker als bisher die Themen „Anrufen“ und „Mobilität“ im Firmennamen verankern.
ich krieg mich nicht mehr ein. Für so eine Begründung hätten wir früher im Aufsatz eine 5 bekommen …
die hammse ja nich mehr alle… außer einem Riß in der Schlüssel und schlechtem English im Hirn…
schon ein Workshop sein soll, das ist einfach affig, aber auch erhellend:
simpelste Anweisungen sind schon Arbeit. Und das muss man anglifizieren, sonst nimmts ja keiner wahr….
so geht das… reicht nicht
27.10.2006 in:
Perfide|Kommentare deaktiviert
“Was mich am Kochen interessiert – auch aus einer anthropologischen Perspektive -, ist die Begegnung mit Andersheit, das Moment der Verstehensirritation, auch durchaus dieses Moment der Negativierung von Wahrnehmungsmodi.”
so der Leiter der nächsten Documenta, Herr Bürgel, laut Perlentaucher in der FAZ.
nein, Calypso ist mir vergangen, nachdem ich den Bericht über die Freedom of the Seas gelesen habe. Er bestätigte, was uns Olaf berichtete, der einige Monate als Bord-Musiker unterwegs war…
schlimmster kultureller Gau …
lesen Sie selbst. Und buchen Sie eine Hütte in den Bergen.
11.10.2006 in:
Perfide|Kommentare deaktiviert
So ist das, wenn irgendwelche kruden Gremien irgendwelche kruden Gremien feiern…
In der Dresdner Frauenkirche sind am Dienstag die diesjährigen “Europäischen Kulturpreise” vergeben worden. Die von der Europäischen Kulturstiftung “Pro Europa” ausgelobte Auszeichnung ging in diesem Jahr an mehrere Prominente und an die Initiative “Petersburger Dialog”.
Der 2001 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin ins Leben gerufene “Petersburger Dialog” habe viel zur deutsch-russischen Verständigung beigetragen, begründete der Präsident der Stiftung, Ernst Seidel, die Entscheidung. In der Kategorie “Politik” nahmen die Vorsitzenden des russischen und deutschen Lenkungsausschusses, der frühere sowjetische Präsident Michael Gorbatschow und der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière, die Auszeichnung entgegen.
Erstens sind es die Unvermeidlichen, die die Preise entgegennehmen und sich geehrt fühlen …
und zweitens, was bitte hat dieser schwachsinnige Dialog gebracht außer Dienstreisen mit komfortabler Hotel-Luxus-Unterkunft?
Eine Zivilgesellschaft in Russland ist in weiter Ferne und der Kulturaustausch, die grenzüberschreitende Kulturarbeit mit Russland wird weiterhin unsubventioniert, effektiv und kräftezehrend von Individualisten geleistet.
Aber mit denen spricht der Petersburger Dialog nicht. Nur mit Mördern, Putins etc.
Frankfurter Buchmesse zieht erfolgreiche Bilanz
7272 Aussteller waren auf der Frankfurter Buchmesse vertreten – mehr als jemals zuvor. Und auch mit der Zahl der Besucher können die Veranstalter zufrieden sein. Mehr als 286.600 Menschen kamen in die Messehallen. Gastland war in diesem Jahr Indien. [hr]
ist das Ziehen der Bilanz erfolgreich oder wird ein Erfolg bilanziert???
Liebe Tagesschau-Online-Redakteure, schaut doch mal ins Grammatik-Buch!
Auf Nachfrage erklärte Ehrhart Körting schließlich, die Sicherheitslage habe sich durch die enorme Publizität des Falls nicht erhöht. Es gebe zwar weiterhin die abstrakte Sicherheitsgefährdung, aber keine konkreten Hinweise. Als auch er sich nebenbei für eine Wiederaufführung des Stückes ausspricht, bricht sich im Publikum eine Empörung Bahn, die schon lange in der Luft gelegen hat. Die lärmende Mehrheit braver Opernbesucher will offenbar eine mannhafte Entschuldigung des Senators. Es empört sie, wie Politik und Verwaltung die Intendantin erst zu einer falschen Entscheidung gedrängt, dann allein gelassen haben und am Ende über sie hergefallen sind. Was immer Harms jetzt sagt, es wird mit prasselndem Beifall quittiert.
Körting und Flierl sagen zu ihrer Verantwortung nur das Allernotwendigste und das schmallippig. Aber man sieht doch, die Sache bedrückt sie. Diese Gesellschaft, die dort auf dem Podium sitzt und stellvertretend für die ganze Gesellschaft bestückt ist, ist sich bei allen Unterschieden der Bedeutung der Freiheitswerte lebhaft bewusst. Jenseits der Schuldfrage weiß hier nun jeder, dass die Absetzung des Stücks falsch war. Es sind eben auch Dummheiten, die den Geist schärfen. Kirsten Harms ist bereit, Idomeneo wieder auf den Spielplan zu nehmen. Für diesen Fall, sagt sie, und nun strahlt sie, die Siegerin dieser Veranstaltung, in den Saal, “erbitte ich sehr herzlich ein schlüssiges Sicherheitskonzept.”
Die Berliner Zeitung resümiert die Berliner Diskussion,
der Tagesspiegel berichtet noch: Nachdem die Fernsehkameras der Veranstaltung ausgeschaltet waren, nutzte Intendantin Harms die Chance für ein persönliches Schlusswort. “Nach den ersten Presseveröffentlichungen war ich am Verzweifeln”, bekannte sie und bedankte sich beim Publikum für die vielen Briefe mit weitaus differenzierteren Meinungen, die sie in den letzten Tagen erhalten habe. “Dies machte es mir möglich, weiter zu inszenieren.” Am 15. Oktober hat Kirsten Harms Inszenierung von Alberto Franchettis Oper “Germania” Premiere.
Das freut mich für Frau Harms.
In allen Berichten über diese Kitsch-Show, die auf der gegenwärtigen Indien-Welle prächtig daherschwimmt, fällt mehr oder minder die gleiche Aussage:
Die opulente, oft grellbunte Musical-Tanz-Show „Bharati, Auf der Suche nach dem Licht”, die in der Frankfurter Festhalle Premiere hatte, versucht dem Publikum ein authentisches Bild von Indien zu vermitteln.
Selbst die FAZ, die doch recht kritisch daherberichtet, ja sogar ziemlich verreißt, nutzt diese Aussage als Teaser. Verstehe ich nicht..
Sind die alle zu faul? Ist Abschreiben so leicht? GIbt es keine Lektoren mehr, die da den Finger draufhalten? Oder halten die die Leser für so blöd daß die eh nichts merken?
Entsetzliches Elend in Slums mit Millionen Darbender kontrastieren mit protzigem Wohlstand schmucker Fassaden und luxuriöser Touristenenklaven von wenigen: Indien war und ist der Subkontinent krasser sozialer Gegensätze. Die vom indischen Produzenten Gashash Deshe initiierte, nach Frankreich, Belgien und Niederlande vor wenigen Tagen in der Hansestadt Hamburg in Deutschland uraufgeführte Musical-Tanz-Show „Bharati – Auf der Suche nach dem Licht“ versucht, das ist zumindest Deshes Intention, westeuropäischem Publikum ein Stück Fernost möglichst kurzweilig, aber auch authentisch näherzubringen.
Wie bitte, haben die Lepröse unter den Statisten, fließt im Foyer der verpisste Ganges???
Seit einigen Jahren mehren sich die aufdringlichen Anzeichen dafür, dass die Unzivilisiertheit zunimmt. Sie wächst in dem Masse, in dem sich ein Medium ausbreitet, das der Soziologe Geoff Cooper den Inbegriff einer «indiskreten Technologie» genannt hat: das Mobiltelefon. Gewiss, man hat sich an seine Allgegenwart und also auch daran gewöhnt, dass Privates und Intimes in öffentliche Räume eindringt; aber doch wohl eher so, wie man sich mit Belästigungen abfindet, gegen die sich zu wehren mehr Energie kostet, als sie zähneknirschend zu erdulden. Da man selbst, sofern nicht der Avantgarde der Handy-Abstinenten zugehörig, zur akustischen Indiskretion hin und wieder auch etwas beiträgt, erleidet die mögliche Empörung freilich ohnedies eine moralische Einbusse.
und weiter zum Schluß des Artikels:
Heisst dies, am Ende gebe es weder Gesellschaft noch Gemeinschaft mehr, sondern nur Ansammlungen hypnotisierter Vereinzelter, die in virtualisierten Räumen voller Sehnsucht darauf warten, angerufen, abberufen, herausgerufen – gerettet zu werden? Bis sich zeigt, ob ein solches Ende naht, mag, weniger spekulativ, diese Einsicht genügen: Die mobiltelefonische Abwesenheit der Anwesenden zeugt von allseits gespaltener Aufmerksamkeit, von aufgeregter Unkonzentriertheit und allgemeiner Zerstreuung – von der Wirklichkeit der Mediengesellschaft also.
Uwe Justus Wenzel in der NZZ von heute
Als “Waffe” seien zudem die “Budgets für Entertainment” zu sehen, ging Weizenbaum zur spezielleren Medienkritik über. Vor allem das Fernsehen führt seiner Ansicht nach zur “Verblödung” und behindere das Denken. Im Bereich der biologischen Kriegsführung könnten die Forscher ihre Suche nach einer “Dummheitspille” somit wieder einstellen.
schreibt Heise online
Leider fehlt der gesamte Text. Ich hätte ihn gerne gelesen. Weizenbaum ist schlau und sexy.
Brunnstein äußert weiterhin:
Als ernsthaftes Problem beschrieb Brunnstein die Tatsache, dass der häufig anzutreffende Dual-Use-Charakter der Informatik seine “Wirkung und Fortschreibung in Überwachungstechniken” entfalte. Ein Teil der heutigen Computermethoden wie Data Mining, Systeme zum Einsatz von Bonuskarten und Formen der “Vorratshaltung” digitaler Informationen “führen zu einer Verdreckung der Privatsphäre”, beklagte der Professor. “Wir müssen hier eine andere Nutzung der Technologie haben.” Bedauernswert sei nur, dass “viele Informatiker als Technokraten erzogen werden”. Ihnen würde nicht nahe gebracht, “dass sie in einem sozialen Kontext Programme erstellen und sich darum kümmern müssen, wofür die Sachen eingesetzt werden können.”