Konsum-Rückgang
Die Menschen in Deutschland hören durchschnittlich 199 Minuten Radio pro Tag. Das sind zwei Minuten weniger als im März dieses Jahres und sieben Minuten weniger als im Juli 2005.
dpa meldet und ich wundere mich nicht.
Aber als Symptom für das schlechte Programm und erwachsene Hörer möchte ich das auch nicht werten.
Die ästhetische Erziehung an Deutschlands Staatsschulen zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Das «Kulturbarometer», das vom Bonner Zentrum für Kulturforschung in Kooperation mit der Deutschen Orchestervereinigung erhoben wird, verzeichnet einen alarmierenden Rückgang des Klassik-Publikums bei den Besuchergruppen mittleren Alters und jüngeren Senioren. Somit fehlen künftig auch die Elternhäuser, in denen Kinder an das musikalische Erbe herangeführt werden könnten.
Die NZZ schaut von außen auf die desaströse kulturelle Bildung in Deutschland. Ist es in der Schweiz besser? Wäre zu hoffen.
BERLIN –
Der Generalsekretär des deutschen PEN-Zentrums, Wilfried F. Schoeller, hat den Rückgang des kulturellen Anteils in deutschen Radioprogrammen kritisiert. Man müsse sich darauf einstellen, daß Literatur im Radio keinen Platz mehr habe. “Man kann vom Ende der Radiokultur sprechen.”
Die Presse druckt es nach, aber merken, was sie da nachschreiben tun sie nicht

Es wäre aber heute schon ein kleines Wunder nötig, ein aus Courage, Sachverstand und Geist entspringendes Mirakel, würde der RBB seinen Redakteur, den kompetenten und langbewährten, wieder einstellen. Dieser Fall ist – nicht zuletzt, weil ein Goebbels-Zitat mit im Spiel war – ganz besonders dämlich gelaufen. Zugleich zeigt er exemplarisch, wie weit der Realitätsverlust und der freudige Selbstabschaffungswahn in den Kulturwellen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bereits gediehen sind. Das Betriebsklima scheint vergiftet. Draußen laufen die Hörer weg. Wo aber der Kulturauftrag so konsequent an den Nagel gehängt wird, da manövriert sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk ganz von selbst in die Bedeutungslosigkeit.
Das Kulturradio schafft sich selbst ab, schreibt Eleonore Büning in der FAZ vom 08.01.
Ohne Zielgruppe, ohne Vision
Wer um Himmels willen soll eigentlich nach einer dieser Sendungen “dranbleiben” und auch die nächste sehen? Fazit: arte hat offenkundig keinerlei Vorstellung davon, wer eigentlich sein Programm sieht und wer es sehen soll, keine Vision dessen, was arte sein könnte, wo es hingehen muss – jedenfalls keine, die irgendeinen, auch nur vagen kulturellen Anspruch erfüllt. Der gute Ruf von arte entspricht längst nicht mehr der Wirklichkeit, formal wie inhaltlich versagt der Sender gegenüber seinem öffentlichen, mit Gebührengeldern finanzierten Auftrag. Das immerhin hat arte mit den übrigen öffentlich-rechtlichen Sendern gemeinsam, die alle von einem schleichenden Kommerzialisierungsprozess ergriffen sind.
Süßstoffoffensive ist der Artikel in der Telepolis des Heise Verlages überschrieben.
den jüngsten Triumph dieser Art deutscher Kulturpolitik im Ausland feiern die Goethe-Leute in Los Angeles und mit ihnen der Verein „Friends of Goethe in Southern California”: Im Institut in Los Angeles wird heute die Media Lounge eröffnet. Dazu gibt es obigen Lifestyle, dem Publikum nahegebracht „von einem berühmten TV-Star, der sich auch einen Namen machte als Autor, Schauspieler und Regisseur”. Die Pressemitteilung des Goethe-Instituts, die in diesen Sätzen einen weiteren stolzen Durchbruch in der internationalen Kulturvermittlung heraustrompetet und die schicke Leere im Bild präsentiert, ist der Vorschein dessen, was Fremde mit Interesse an deutscher Kultur in Zukunft für Deutsch halten werden – falsche Satzstellung, faule Anglizismen, ungenaue Zeitenfolge.
ein galliger Kommentar in der FAZ zu einem unsäglichen Armutszeugnis.
Leipzig –
Leipzigs scheidender Gewandhauskapellmeister Herbert Blomstedt (77) hat die Kulturlosigkeit in Deutschland beklagt. “Die Erziehung zur Kultur hat versagt”, sagte er der “Leipziger Volkszeitung”. “Eigentlich ist die ganze Gesellschaft krank.” Geistige Werte seien nicht mehr gefragt. Der politische Marxismus sei zwar passeé´. “Aber der krasse Materialismus vom Typ westlicher Wohlhaberei ist ebenso gefährlich”, warnte er. “Die Eltern versagen hier oft, sie leben die Kultur nicht vor.” Dabei seien Eltern Vorbilder, was eine große Verantwortung beinhalte. (dpa)
Die aus dem Vorentscheid um die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2010 als Sieger hervorgegangenen Städte Essen und Görlitz sollten die unterlegenen Orte einbinden. Das forderte der Deutsche Kulturrat. „Das Motto des Bewerbungsverfahrens zur Kulturhauptstadt Europas lautet weiterhin: Eine für alle, alle für eine“, betonte der Spitzenverband der Bundeskulturverbände. Er hatte in den letzten eineinhalb Jahren drei Treffen organisiert, auf denen beschlossen worden sei, dass die Bewerber gemeinsam die „Gewinnerstadt“ unterstützen werden. Wer sich am Ende durchsetze, solle allen anderen „im Rahmen des Kulturhauptstadtprogramms ein Podium bieten“. dpa
Wozu gibts dann Wettbewerbe???
Blubbern an der Bürgerkriegsfront
Das Festival Eclat in Stuttgart
Der angekündigte Teilrückzug der deutschen Rundfunkanstalten aus ihren kulturellen Verpflichtungen wird das Musikleben in Deutschland in den nächsten Jahren tiefgreifend verändern. Ins Visier der Abwickler sind zunächst einzelne Klangkörper geraten. Doch nun hat es auch eine Veranstaltungsreihe für Neue Musik erwischt: das international renommierte Eclat-Festival in Stuttgart. Angesiedelt im Stuttgarter Theaterhaus, einem Treffpunkt von Musik, Theater, Literatur und bildender Kunst, lockt es jährlich im Januar ein grosses, vielseitig interessiertes Publikum an. Getreu der neuen Devise, er sei ein Sender und kein Konzertveranstalter, will sich der bisher stark engagierte Südwestrundfunk (SWR) künftig auf das reine Mitschneiden beschränken. Ob und wie es mit Eclat weitergeht, hängt nun von einem neuen Geldgeber ab.
Der ganze Artikel in der NZZ