So kann mans auch drehen …
Da hat die Hamburger Werbewirtschaft eine (Werbe-)Idee, will eine große nackte Pin-Up-Tussi aus Styropor in die Binnenalster legen, um auf Hamburgs Werbewirtschaft hinzuweisen, gibt das natürlich als Kunst aus, sonst würde es ja nicht genehmigt.
Der Leiter des Bezirksamts Mitte riecht den Braten und untersagt die Aktion.
Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Senatskanzlei und Kulturbehörde gehen auf den sexistischen Leim und genehmigen die Aktion.
Und kein Argument ist zu armselig und zu blöde, um das irgendwie hinzubiegen. Und um auch noch ein anderes unterentwickeltes Hamburger Thema, die Umwelthauptstadt, zu verargumentieren:
“Wir sind für die Alster und ihre Nebengewässer zuständig”, sagte der Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Volker Dumann. “Und wir fanden die Idee frech und witzig.” Zumal eine direkte Werbung nicht erkennbar sei. “Das zuständige Fachamt hat zudem befunden, dass die Badende auch als Hinweis auf das saubere Alsterwasser gelten könnte. Und das passt im Jahr der Umwelthauptstadt gut.”
Um die von der Kosmetikindustrie finanzierte Oberpeinlichkeit noch zu toppen, kann das Teil nicht mal ordentlich zu Wasser gelassen werden.
Die vom Abendblatt befragten Passanten allerdings waren diesem Objekt auch nicht gewachsen:
“Ich habe mich gefragt, was das soll”, sagte die 19-Jährige. Begeistert ist sie von dem Projekt nicht: “Kunst hat in der Alster nichts zu suchen.” Ähnlich sehen das Lars Bednorz, 34, und Susanne Möhl, 36. Sie sind auf der Durchreise in der Hansestadt und waren froh darüber, dass die Nixe noch nicht auf der Alster schwamm. “Die würde doch hier nur stören”, sagen sie. Es gibt allerdings auch positive Stimmen. Der Hamburger Halis Gülender findet die Idee gut: “Das sieht doch bestimmt schön aus.”
Was lernen wir daraus? Folgende Thesen stelle ich mal auf:
- Hamburgs Verwaltung hat kein Rückgrat, kein Kunstverständnis und ist für jeden Scheiß zu haben
- Die umsetzenden Techniker / Ingenieure oder wer auch immer verstehen ihr Handwerk nicht
- Die Bevölkerung läßt sich einreden, daß das Kunst sei und sieht sich in den Vorurteilen gegen Kunst bestätigt. Hier haben die Werber eindeutig versagt, hätten sie gleich zugegeben, daß das Werbung ist, hätte jedenfalls die “befragte Bevölkerung” nichts dagegen gehabt. Werbung geht ja immer. Wo sonst wenn nicht in Hamburg?
- Sexismus geht auch immer.
Hamburg, du Schöne, du warst mal schön. Jetzt bist du nur noch blöde.
PS: das Abendblatt fasst die Intention dieser Aktion so zusammen:
Das Kunstprojekt Bade-Nixe sollte von Montag an für zehn Tage in der Binnenalster schwimmen und daran erinnern, dass die Hansestadt und das Wasser zusammengehören.
Für mich gehen da ganz andere Dinge zusammen: Dummheit, Sexismus, Rückgratlosigkeit.
Quelle: Abendblatt
