Kategorien: Grundsätzliches

Leben nur zur Ladenöffnungszeit? Wellness für IKEA?

Kein IKEA in AltonaDie  IKEA-in-Altona-Befürworter behaupten, IKEA brächte Leben in die Neue Große Bergstrasse.
Die IKEA-in-Altona-Befürworter wollen, daß sich alle in Altona wohlfühlen sollen (also auch IKEA).

Die  IKEA-in-Altona-Gegner behaupten, ein Leben findet auch außerhalb der Ladenöffnungszeit statt und fordern ein gemischtes Zentrum aus Wohnbebauung und Handel.

Welche Position steht für Stadtentwicklung?

Wer hat begriffen, daß ein gescheitertes Handelszentrum, das den Stadtteil verödet, nicht durch noch ein größeres Handelszentrum wiedergutgemacht werden kann?
Welche Position hat begriffen, daß Altona in großer Gefahr ist, den urbanen Charakter zu verlieren und zur Gewerbe-Ansiedlung zu werden?

Mein Votum haben die IKEA-in-Altona-Gegner.

Quellen: Kein Ikea in Altona.de und das IKEA-Streitgespräch im Abendblatt.

Deklination unbekannt? Ein Neujahrs-Wunsch

Beim morgendlichen Stöbern in all den Beiträgen, die da aus der Blogosphäre herangeschwemmt werden, bleibe ich immer wieder hängen. Nicht an interessantem Inhalt, nein an sprachlichen Lücken und Grammatikfehlern, die so eigentlich nicht vorkommen sollten.

Wie kann das angehen, daß so gravierende Fehler wie

Weihnachtsgrüße an Euch allen und (http://www.texto.de/weihnachtsgruesse-an-euch-allen-und-929/)

oder

Für die wohl umstrittenste sozialpolitische Entscheidung in der Geschichte der Bundesrepublik liegen somit fünf Jahre an praktische Erfahrungen vor (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31781/1.html)

unbemerkt durch"rutschen"? Ist das nur Schlamperei oder Unfähigkeit?

Bei Telepolis scheint es woh eher Unfähigkeit zu sein, denn der zitierte Artikel liefert weitere Fehler, die einem Lektor, oder zumindest einem Gegenleser hätten auffallen müssen.

nicht müde zu betonen, die Reformen würden "wirken". (das hieße doch eher: die Reformen wirkten….)

In dieses Horn bläst auch .. (wäre da nicht stoßen angebracht?)

Die Wirkung der Arbeitsmarktreformen…  ist so weder …erhärtet.(wird erhärtet)

Ich weiß, meine Kritik wird wieder zurückgewiesen mit dem Hinweis, das Internet sei ein schnelles Medium und deshalb….

Das Argument lasse ich aber nicht gelten, denn korrekter Sprachgebrauch funktioniert genauso schnell wie falscher Sprachgebrauch. Und deshalb mein Wunsch:

Leute, sprecht richtig! Schreibt korrekt! Nervt nicht mit Eurer infantilen Grammatik!

Wer ernstgenommen werden möchte, muß korrekt schreiben können.

Sonst disqualifiziert er sich schon im Voraus.

Laßt die Toten ruhen!

Wer sich seiner Gegenwart unsicher ist oder die Zukunft fürchtet zu gestalten, der gräbt die Vergangenheit aus und läßt die Toten nicht ruhen.

So erging es Garcia Lorca, dessen Grab gefunden werden sollte, nun soll Leonarda da Vinci exhumiert werden.

Es ist schamlos und respektlos.

Wenn das Geld nicht für den Billigflieger nach Athen reicht,

schmeißt man halt die Molotow-Cocktails aus Rache für einen griechischen Jungen in Hamburg. So einfach ist das. Und so logisch.

General-Abrechnung oder Rundumschlag?

Es fehlt nicht nur an einem Sinn für die Verbreitung wichtiger, aktueller politischer Inhalte. Erst recht habe ich den Eindruck, es fehlt auch an der Einordnung. Aber genug der Klage. Ob es noch schlimmer werden wird, ist unklar, bleibt abzuwarten oder wird sich zeigen.

Zu dieser Conclusio kommt Herr Wickert, ehemals "Anchorman" der Tagesschau, man kann auch sagen: Nachrichtensprecher, in einem Beitrag der FAZ: Wickert bemängelt Nachrichten.

Er kanzelt die Öffentlich-Rechtlichen ab, zuerst ob ihres Sprachgebrauchs, dann ob ihrer Berichterstattung, hierbei ob der Priorisierung der zu sendenden Themen und der Auswahl der Kommentatoren, man merkt, ihm reicht es.

Ihm ist der Langmut abhanden gekommen. Mir schon lange.

Nun gibt es natürlich eine lange Debatte im Netuz, ob er Recht hat, ob er eitel ist, wie die Redaktionen darauf reagieren. Da wird hin- und her-argumentiert, das muss ich hier nicht weiter ausbreiten.

Ich füge nur meine Meinung hinzu:

Ich ärgere mich, wenn Ereignisse des Zeitgeschehens von Unterhaltungs-Clowns wie Gottschalk und Konsorten präsentiert werden.

Ich ärgere mich, wenn Information durch Infotainment plattgemacht wird.

Ich ärgere mich, wenn weiterhin dumme Konsumenten anstatt mündiger Bürger als Zielgruppe definiert werden.

Und da bin ich mir schon mit Herrn Wickert einig.

Die Welt dreht sich … Die Nähe von Ego zum Tod

und stellt uns ununterbrochen vor Probleme. Dringliche Probleme. Themen. Aufgaben. Überforderungen.

Da möchte ich bitte nicht permanent mit dem Freitod eines Fußballers belästigt werden.
 

Kultur-Aneignung oder -Einverleibung?

Das Abendblatt betreibt fast schon kannibalistische Kultur-Berichterstattung:

Über das Geburtstagskonzert für Sofia Gubaidulina in der Reihe "Das neue Werk" schreibt man dort so:

So war es ein Schauspiel für sich, die Komponistin bei dem Konzert zu beobachten, das der NDR aus Anlass ihres 78. Geburtstags in der Reihe "das neue werk" gab.

Gespannt bis in die Fingerspitzen, mit unablässig arbeitenden, zu Fäusten geballten Händen folgte die Jubilarin ihrer Musik und fieberte mit jeder Note.

Herta Müller verleibt man sich oder den Lesern so ein:

Erleben Sie die Nobelpreisträgerin!

Weniger reißerisch täte gut. Das Reißerische, Plakative sollte  sich das Abendblatt für seinem verdienstvollen Protest gegen die geplanten Kultur-Etat-Kürzungen aufheben.

Das darf einfach nicht sein

AbstimmungEs darf nicht sein, daß Roland Koch Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland wird.

Moralisch ist dieser Mann dermaßen disqualifiziert, daß man ihm keinen Cent in die Hand geben dürfte. Deckte er nicht auch die Parteispenden an die CDU, die dann plötzlich als der CDU zugedachte Vermächtnisse emigrierter Juden deklariert wurden?

Wie kann man diesen Mann als Minister  verhindern?

Der Ausschnitt rechts stammt aus der Online-Abstimmung der Netzeitung vom 4. 10., 14:30

 


Was hat eine Telefongesellschaft mit politischen Umfragen zu tun?

 Da bekommt man plötzlich solche Newsletter vom eigenen Telefonprovider:

 Sehr geehrter Herr XXX,
bei der F.A.Z. genießt die Meinungsvielfalt höchsten Stellenwert: Es ist für uns wichtig zu wissen, wie die Menschen im Land denken.
Daher führen wir regelmäßig bundesweit die Umfrage „Politikbarometer“ durch.[]
Heute wurden Sie für die Teilnahme ausgewählt, und wir möchten gern Ihre Meinung zu den aktuellen politischen Fragen einfließen lassen. Füllen Sie bequem den Online-Fragebogen aus.
Für Ihre Antwort bedanken wir uns gleich 2-fach:
1.
Sie erhalten 4 Wochen lang die F.A.Z. für nur 19,50 € frei Haus geliefert und sparen 50%. Die Belieferung endet automatisch.
2.
Dazu erhalten Sie das 3-teilige Reisetaschen-Set, das Douglas Gutschein über 10,– € oder das F.A.Z-Mini-Radio gratis.

Das könnte ja eine unerbetene Mail der Zeitung sein, aber nein, Callmobile schreibt vor dieser Nachricht in der Mail:

 Hallo XXXXXXe,

gemeinsam mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung möchten wir heute Ihre Meinung zur aktuellen Bundestagswahl erfahren. Als kleines Dankeschön für Ihre Teilnahme, haben Sie wieder die Möglichkeit, tolle Preise zu gewinnen!

Wir wünschen viel Glück dabei!
Ihr Team von callmobile

Ich finde das absolut daneben. Das hat nichts mit politischer Kultur zu tun. Warum will eine Telefongesellschaft eine politische Meinung Ihrer Kunden erfahren?

EIgentlich ein Grund, den Vertrag zu kündigen.

Und eine Gelegenheit der FAZ einmal Deutschunterricht zu erteilen, denn eigentlich ist ein Gutschein immer noch männlich… 

 

Internet-Manifest These #3

Das Internet-Manifest

3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.

Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.

Das hätten die wohl gerne. So selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen? So selbstverständlich wie SPAM. Wer einmal von einem Facebook-Mitglied eingeladen wurde, sein Freund zu werden und dieser Einladung nicht gefolgt ist, weiß wovon ich schreibe.

Ein Manifest kann jeder aufstellen. Das besagt noch nichts. Vor allem besagt es nichts über die Richtigkeit der aufgestellten Thesen.Und die internet-blog-übliche Kommentiererei zeigt auch etliche Schwächen:

Bei aller berechtigten Kritik am herkömmlichen Journalismus zeigt sich hier doch auch die negative Seite der Blog-Szene, der hemmungslose Subjektivismus: Da wird vieles einfach mal hingerotzt, ohne Respekt für die Arbeit der Verfasser des Manifests – nach dem Motto: Jeder darf mal, egal was er zu bieten hat. Das macht die Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema der Zukunft des Journalismus nicht eben leichter.

schreibt die Frankfurter Rundschau dazu.

Mir gefällt nicht, daß sich da jeder GerneGroß als "Gegen-Journalist" und "Besser-Journalist" ausgibt, ohne auch nur eine ausgerpägte Ahnung von Recherche, Grundwissen, Allgemeinbildung, Politischer Bildung und Geschichtskenntnissen zu haben.

Nicht von dieser Welt

wie krank das alles ist, macht mal wieder ein Online-Händler deutlich, der jede seiner Produktsparten als "Welt" bezeichnet.

Da gibt es 

PRODUKTWELT
Car-Hifi (8) 
Computer (185) 
Digitale Fotografie (97) 
DVD / Video / Camcorder (20) 
Haushaltsgeräte (333) 
Hifi / Portable Audio (41) 
Mobilfunk / Handys (12) 
MP3 (25) 
Navigation (25) 
Notebooks (54) 
Spielekonsolen & Games (166) 
Telekommunikation (76) 
TV-Geräte (22) 
TV-Receiver (30) 
Überwachung & Sicherheit (2)

Ich mach das nicht mehr mit. Wer mir solchen Scheiß antut, kriegt keinen Euro von mir, auch wenn er "euronics"  heißt… 

 

 

 

Nicht die Journalisten der Alten Schule, sondern

gerade die Pioniere, welche Print UND Online verbinden, sind kritisch ob der Qualität der selbsternannten Zeitungs-Surrogateure:

Oh Gott, bitte gib uns noch ein bisschen Zeit und lass die Zeitungen nicht so schnell sterben, weil sonst das Feld brach liegt. Wenn Don Alphonso und Sascha Lobo diejenigen sind, die diese Lücke in Zukunft ausfüllen sollen, dann kann ich nur sagen: Herzlichen Glückwunsch!

sagt Herr Augstein vom Freitag im Interview.

Ich kann mich nur anschließen.

Man soll die Feste feiern wie sie fallen

aber nicht beim Lebensmittel-Discounter Lidl.

Dort kommen zwar ab September Schokoladen-Weihnachtsmänner, Lebkuchen, Dresdner Stollen und weitere Kekse in die Regale, wenn man dann aber 12 Tage vor Weihnachten einen Stollen kaufen möchten, DENN JETZT IST DIE ZEIT!, dann gibts das nicht mehr.

Die Regale abgeräumt, kein Sortiment mehr. Nur noch teure Geschenke für die Letzt-Verzweifelt-Käufer.

Das ärgert mich seit Jahren. Und Kindern wird die Weihnachtszeit kaputt gemacht. Die Vorfreude.
Wenn es denn soweit ist, gibts nichts mehr.

Leute, es ist nicht die Nachfrage, die das Angebot regelt. Wer will im September Lebkuchen kaufen? Es sind die bescheuerten Einkäufer und Planer, die demnächst diese "Einkaufs-Welten" ganz abschaffen. Weil es Unruhe in ihre Lagerlisten bringt.

Aldi hat das begriffen. Bei Aldi gibts noch Stollen und Lebkuchen. Und Dominosteine.

Ich finde das alles abscheulich.

 

 

Frivolitätsepoche

so sagt

Peter Sloterdijk in der NZZ:

 

Wir lebten in einer Frivolitätsphase. Man darf nicht vergessen: Die Moderne ist auf einem Parallelogramm antagonistischer psychopolitischer Energien aufgebaut. Darin ringen frivolisierende, leichtsinnig machende und den Konsum fördernde Kräfte unablässig mit den seriösen, sichernden und down to earth orientierten Tendenzen. Solange die Frivolitätskonjunktur herrschte, war die Stunde der Kassandren nicht gekommen. Aber Kassandren werden ohnehin nie gehört, das Menschenrecht auf Leichtsinn lässt sich zu keiner Zeit unterdrücken.

 

Wie recht er hat. Die Kassandren sind heiser.

Auch Neugier ist eine Gier

Der Schriftsteller Richard Wagner schreibt in der FAZ zur Lage der Literaturkritik:

Wer keine Freude mehr an der Erkenntnis hat, dem schrumpft das Interesse zur bloßen Neugier. Wo diese aber zur Geschäftsgrundlage wird, kommt die Verwertung der Entwertung gleich. Der Spaß mag garantiert sein und das politisch Korrekte ebenso wie das politisch nicht Korrekte gesichert, es sind aber auch die stilistischen Grenzen gesetzt, und stilistische Grenzen sind stets auch Grenzen des Horizonts.