Kategorien: Fremdschämen

Perfide Logik

entsteht da gerade in der Yellow Press: weil das Privatleben von Politkern vorbildhaft zu sein habe, dürfe die Presse würdelos und respektlos diese Privatsphäre ausspähen und die Grundrechte der Ausgespähten mit Füßen treten?

So nicht, liebe Bunte mit deiner selbstgerechten Chef-Redakteurin …

Herr Westerwelle ist ein Depp,

da er viel arbeitet. Denn wer viel arbeitet, ist nach seinen Worten der Depp der Nation und deshalb darf ich ihn auch ruhig ebenso bezeichnen,

Daß die Paradebeispiel-Kellnerin, verheiratet, 2 Kinder, weniger verdient als sie von Hartz IV bezöge, das wirft er nicht den Arbeitgebern vor, sondern den Hartz-IV-Beziehern.

Dieses dumme … (jetzt hätte ich mich fast verstiegen) wirft den Armen vor, daß sie arm sind.

Für mich ist dieser Mensch der Phänotyp des eifrigen Jüngelchen, demder Eifer nur so aus den glänzenden Augen strotzt und der sich vor lauter Selbstüberzeugtheit keinerlei Schamschranke mehr unterwirft .. nicht mehr merkt, wenn seine Selbstverliebtheit in Zynismus umkippt.

Charakter hat so ein Typus schon gar nicht.

Er nennt seine Kritiker scheinheilig, ich nenne ihn schamlos.

Fraglos

Fraglos

Das Leben ist gefährlich

und weil man als Philologe ja verbeamtet ist, hat man selbstverständlich Anspruch auf eine Gefahrenzulage.

Ist dich berechtigt Man gönnt sich ja sonst nichts.

Wenn Sie erfahren möchten, wie ein waschechter Funktionär spricht und argumentiert, dann lesen Sie das Interview des Philologen-Verbands-Vorsitzenden Heinz-Peter Meidinger im Spiegel.

Er kriegt doch immer wieder die Kurve zum Lehrergehalt.

Was bin ich froh, daß ich nach dem 2. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in Deutscher Philologie nicht in den Staatsdienst kam, nicht Lehrerin wurde. Es könnte ja sojemand in meinem Namen sprechen wollen…

PS: Eine kleine Pointe am Rande ist dann noch dieser Banner auf der Seite des Deutschen Philologen-Verbandes

Besuchen Sie den aktuellen Lehrerpreis.

Sorry, kann gerade nicht. Bin eingeladen beim Nobel-Preis ;=)

Fremdschämen II: Kann man eigentlich seine Stadtbürgerschaft zurückgeben?

Ich bin Hamburgerin.
Das gefiel mir.
Das gefällt mir nicht mehr.

Dieses unsägliche Hin und Her um diese unsägliche Elbphilharmonie, die Kopfgeburt größenwahnsinniger CDU-Politiker, ist unvorstellbar.
Hanseatische Kaufmannstugenden trägt man vor sich her und dann läßt man sich um Hunderte von Millionen verschätzen.
Jeder anständige Mensch nähme da seinen Hut.

Aber nein, dieser kulturfeindliche Bürgermeister vergleicht seinen Dilletantismus nur mit dem Dilletantismus anderer und findet sich noch gut dabei.
Seine Bestätigung holt er bei den Enkeln. Die haben sich dann in 50 Jahren an dieses Monstrum gewöhnt und finden es gut, weil sie es nicht anders kennen.
Hamburg will nach oben, meint er. Was ist oben? Und wo wäre man dann da oben? Unglaubliches Gefasel.
Aber nun?

Der Senatschef dieser Stadtregierung, Kruse (CDU) gibt folgendes Statement zu dem Deseaster ab:
Es ist finanzierbar. Und schlimm ist es auch nicht, denn man muss das Elbphilharmonie-Projekt überprüfen und fragen: Ist es das wert? Ich sage ganz klar ja. Schlimm war nur das Hickhack der letzten Monate. Das war unerfreulich und auch schädlich für das ganze Projekt. Aber jetzt bekommt Hamburg ein Wahrzeichen, selbst wenn man die Musik nicht hören will. Von daher ist es ein tolles Projekt. Außer der Reeperbahn haben wir in Hamburg nichts, was weltweit die Menschen anzieht.

Da hat er den Nagel auf den Kopf dieser Regierung getroffen. Die wollen die Musik gar nicht hören. Die wollen angeben. Die verwechseln Kultur mit Reeperbahn.
Und wir sollen das bezahlen.

Und weiter geht das:
….. Oder nehmen Sie ein Projekt wie die Hafenquerspange. Sie wird, wenn sie kommt, 1,2 Milliarden Euro kosten. Und was bekommt man dafür? Ein Projekt, das Lkw von links nach rechts bringt. Dagegen ist die Elbphilharmonie etwas wesentlich Schöneres. Ich verstehe nicht, warum man bei Kulturprojekten immer die Neigung hat, das nur als Verschwendung anzusehen – und hyperkritisch ist bei Kostensteigerungen.

Nun versteigt er sich auch noch, Kulturfeindlichkeit zu postulieren um das eigene Versagen zu verschleiern.

Quelle 1: Kruse Interview
Quelle 2: Von Beust

MRR findets banal und ich fremdschäme mich

Herr Reich-Ranicki nimmt die Dinge ernst. Wenn es einen "Deutschen Fernsehpreis" gibt, mit dem er geehrt werden soll, dann nimmt er den Preis ernst, weil er sich selbst auch ernst nimmt.
Und dann erlebt er das.
Und weigert sich, den Preis entgegenzunehmen.

Gut! Leider ist die Berichterstattung nicht so ausführlich, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hätte gerne seine deftigen und treffenden Aussagen gelesen.

Allein ein Zitat aus dem Tagesspiegel-Bericht:
Die Serien und Shows, die für den Fernsehpreis der großen Senderfamilien ARD, ZDF, Sat1 und RTL nominiert wurden, bezeichnete der seit ehedem streitbare Literaturkritiker schlicht als "Blödsinn".

Aber wie der Tagesspiegel dann auf die Idee kommt, von Senderfamilien zu sprechen, verschließt sich mir vollends.

Über ein Jahrzehnt sei "Das literarische Quartett" der Pflichttermin für Literaturbegeisterte gewesen, hatte der Vorsitzende der Stifter, ZDF-Intendant Markus Schächter die Entscheidung begründet. Reich-Ranicki sei es gelungen, Literatur mit dem Publikum zu vereinen.
Tja, Literatur vom Publikum wieder zu trennen, dafür brauchten die nun Auszeichnenden kein Jahrzehnt. Das haben die schneller hinbekommen.
Marcel Reich-Ranicki
Das Bild stammt aus der Webseite des Deutschen Fernsehpreises, die sich genauso verhält, wie Herr MRR das kritisiert, laut und hässlich und vor allem dümmlich.

Spannend ist nun, ob die Aufzeichnung gesendet wird…

Die Reihe der bisherigen Preisträger ist auch illuster: 9 Herren und eine Frau, Inge Meysel. Das Lebenswerk von Frauen spielt sich eben doch nicht im Fernsehen ab.
Und wenn ich mir dann die Laudatoren ansehe, schäme ich mich. Fremdschämen ist das richtigere Wort.

PS zur Webseite:
ja, das passt: für solche peinlichen Webauftritte ist Joomla! das richtige ContentManagementSystem.
Wunderbare Wahl. Wie Mist doch immer wieder zu Mist kommt…
Oben auf der Seite prangt ein wunderbares "Mambot", welches auch noch falsch zählt:

"Noch -1 Tage bis zur Verleihung"
Ich denke, der Minus-Tag war gestern, am Samstag, als diese unsägliche Gala abgehalten wurde..