Kategorien: Eventualisierung

Docutainment … ein neues Wort für Verdummung

Ballinstadt Hamburg:

Nachgebessert wird auch in der Ausstellung selbst. Die beginnt mit den Träumen der Auswanderer – vorgetragen von sprechenden Puppen. Nur reden alle gleichzeitig, sodass der Besucher keiner Biografie folgen kann. “Die Idee kommt gut an, aber die Geräuschkulisse ist einfach zu groß. Deshalb werden wir Kopfhörer anbieten”, sagt Siepmann. Insgesamt setzt das Konzept vor allem auf “Docutainment” – und damit mehr auf detailgetreu und durchaus liebevoll inszenierte Geschichte als auf originale Atmosphäre: Auf dem Pfad, der den Besucher von Hamburg nach New York führt, informieren bewegte Bilder und Installationen über die Situation der Auswanderer. Im Gegensatz zu den Auswanderern von damals bleiben die Besucher nur etwa zwei Stunden in der neuen (Museums-)Welt.

Und im Gegensatz zu den Auswandern … da wird Elend und Not mit Freizeitgestaltung gleichgesetzt
So verniedlicht man Geschichte und das auch noch stümperhaft.
Und die Presse macht mit.

Der Wohlfühl-Dalai-Lama

ist schon wieder weg.

Er hat Tausende Hamburger glücklich gemacht.

Das ehrt ihn. Stellt sich uns Unglücklichen nun die Frage, wie wir das Schafsgrinsen aushalten.

Immerhin hat es die Stadt nichts gekostet. Das unterscheidet einen Re-Inkarnierten von einem gescheiterten Präsidentschaftskandidaten. Dessen Klima-Massenauf bezahlt der Hamburger Steuerzahler mit fast einer Million Euros.
Und dessen Publikum hat noch nicht mal gesegnete Schokolade bekommen…

Jeder Feuilleton, der auf sich hält, sollte

eben nicht diesen Wahn mitmachen

hört endlich auf mit dem Wahnsinn

Klar war's eh schon, aber hat damals nicht gejuckt und jetzt wohl auch nicht

Die Hamburger Ballin-Stadt

Mehr inszenierte als gelebte Geschichte

Viel Docutainment, wenig originale Atmosphäre: In der Praxis muss sich zeigen, wie das Ausstellungskonzept auf der Veddel funktioniert. hat sogar die alte Tante Abendblatt gemerkt.

Aber vorher wohl niemand?

Da kommt ein Unternehmen her (Leisure Work Group), baut ein Museum, eine Schiffslinie wird eingerichtet, um die Besucher zur Ausstellung zu bringen (www. maritime-circle-line.de), dann kriegen die Leute ein paar bewegte Touchscreens und Wackelpuppen vorgesetzt:

In goldenen Rahmen sind bewegte Bilder zu sehen, Living Pictures. Dekoriert ist das Szenario mit Schifffahrtsplakaten und historischen Gepäckstücken. Der Pfad ist thematisch gegliedert, interaktive Angebote, sprechende Puppen und Installationen

Das Schicksal der Menschen wird individualisiert, die Not riecht gut und sieht gut aus..

da wird Schindluder getrieben mit der Geschichte und unsere Stadtväter freuts und die Menschen werden weiter verdummt.
Die Presse ist es schon.

Immer wieder Pfeffersäcke

Und die Musik?

Die Grundsteinlegung verlagerte das Gewicht des Projekts nun etwas einseitig auf den Hype des Wahrzeichens. Ausgerechnet der designierte Intendant kam bei der Veranstaltung nicht zu Wort; und auch das kurz zuvor erschienene Buch «Eine Vision wird Wirklichkeit» von Till Briegleb klammert den musikalischen Kontext der Entstehungsgeschichte aus – dabei zählt das künstlerisch-inhaltliche Profil zu den zentralen und meistdiskutierten Aspekten der neuen Elbphilharmonie.

die NZZ berichtet über die Grundsteinlegung der Elbphilharmonie in Hamburg.

Wie erwartet, wie befürchtet?

Erwartet ja, befürchtet nein – gewusst.

(Jahrhundert-)Sommer der Gegenwartskunst

Ausgerechnet in dem Moment, in dem sie von einer Geheimwissenschaft eingeschworener Avantgarden zu einem Massensport wird und die Bereitschaft, noch das obskurste Etwas als „interessante Position“ zu beklatschen, so groß ist wie nie, sinken Künstler, Kuratoren und Vermittler, ausgelaugt von zahllosen Messen und Biennalen, entkräftet in die Kissen des Bewährten und servieren lauwarme Aufgüsse dessen, was sie immer machten.

schreibt die FAZ und hat wohl Recht

was tut man nicht alles…

Welch öde Anbiederung. Und welch blöder Missbrauch zweier Sänger, deren außerordentliche Talente vergeudet werden. Beide sind, um es paradox zu sagen, stimmlich großartig, stilistisch und idiomatisch aber völlig falsch. Der kühl-gleißende Sopran Anna Netrebkos hat inzwischen Spinto-Qualitäten, die den Soloszenen Manons mit all ihren zarten Facetten – Zerbrechlichkeit, Sensibilität, Lebenslust, Sinnlichkeit – nicht mehr entsprechen.

schreibt die FAZ und ich freue mich, daß ich die Übertragung am Radio gehört habe und nicht im Publikum. (Trotz technischer Pannen bei der Übertragung)

und die Süddeutsche hält mit:

Die Aufführung an der Lindenoper bestätigt das, was man vielfach beobachtet: Popularisierung der Klassik, Kapitulation der klassischen Musikkultur vor dem Pop, verdeckt oder ganz offen mit ihm im Schulterschluss. Denn Pop bedeutet Glamour, Sex, Geschäft, Werbung, Pop ist fundamental für die Medien und für die Einschaltquote. Nicht unbedingt auch für die Kunst.

Was für eine Feier! Was für ein Schiff! Was für eine Nacht! Was für eine Stadt!

was für ein Kapitalismus!

Und alle gehen Sie den Marketingstrategen auf den Leim. Lassen sich einspannen.
Der NDR gibt stundenlang kostenlose Werbesendung
Die Menschen spielen Statisten und lassen sich abspeisen mit Pseudoklassik und Geilerei

Brot und Spiele auf hanseatisch.

So weit ist es gekommen

daß sich abhalfternde Kabarettisten jetzt in den Nachrichten sprechen …

der Herr HS mäandert von Sender zu Sender und das ZDF hat nichts Besseres zu tun als ihn in die Heute-Sendung zu holen und ihm ständig unaufgefordert den Bauch zu pinseln?

Zahlen wir dafür Gebühren?
Ist die Welt so ein Idiotenplatz, daß es bei Nachrichten nicht mehr auf den Ernst ankommt?
Muß denn alles Pop sein?

“Wir haben hier einen richtig guten Surf.”

Das sind Einweihungsworte für einen Beachclub, oder?

Nein, dieser deutliche Spruch, der so richtig sagt, wo's abgeht, fiel bei der Grundsteinlegung für diese unsägliche Elb-Philharmonie in Hamburg.

Dann surft doch bitte weiter… Hamburg braucht Kultur und nicht Eure Profilierungssüchte und Hohlphrasen…

… florale Konzepte für Ihren Event…

früher hat man solche Dienstleistungen Raumschmuck oder Tischschmuck genannt

Dieser Begriff scheint irgendeinem Blumenbinder-Marketing-Hirn entsprungen zu sein, das googeln nach florale Konzepte zeitigt Tausende von Treffern

Schwimmende Apokalypse

nein, Calypso ist mir vergangen, nachdem ich den Bericht über die Freedom of the Seas gelesen habe. Er bestätigte, was uns Olaf berichtete, der einige Monate als Bord-Musiker unterwegs war…

schlimmster kultureller Gau …

lesen Sie selbst. Und buchen Sie eine Hütte in den Bergen.

Ein Sorry wäre angebracht

Manches Spiel geht jedoch zu weit. Neuerdings setzen auch die Tagesthemen inszenierte Bilder ein – wie in Guido Knopps Boulevard-Dokus. Man sieht Politikerstatements zur Gesundheitsreform – und plötzlich steckt eine Kamera unter einem Schreibtisch, wie im Spionagethriller. Männerbeine, Hände blättern in Akten, eine Hand greift zum Telefon. Ministerpräsidenten verschwören sich? So billig kann das Fernsehen Politik darstellen, wenn es fürchtet, die Leute könnten sich langweilen. Lieber führt es sie in die Irre. Ein Sorry wäre angebracht.

Fritz Wolf im TV-Tagebuch der FR

Andere Fragen stellen sich ja auch nicht

Teletaucher

Kultur im Fernsehen im August

Harald Schmidt meldet sich heute Abend aus der Sommerpause zurück. Ob er wieder Vollbart trägt?

Die Herren Perlentaucher überbieten sich heute

(nur) Russen im Urlaub ?

Wir erobern Meere und Gebirge. Zu wenig! Wir wollen zu Pferde durch die Landschaft galoppieren, in Jeeps und auf Motorrädern herumrasen, die Seidenstraße sehen, Korallenriffe, Wüsten, Wasserfälle. Aber selbst das ist uns noch zu wenig. Denn wir sind spaßversessen. Unterwegs brauchen wir Liebesabenteuer, gute Restaurants, schicke Bars, russische Banja, finnische Sauna, Safaris, Elefanten, Krokodile, Thai-Massagen, Sauftouren, große Liebe und Feuerwerk. Der Urlaub verwandelt sich in ein einziges großes Feuerwerk. Einen draufmachen – das ist unsere Devise. Bunte Leuchtkugeln schießen zischend in den Himmel, sie sehen aus wie das Fruchteis in unseren Kinderträumen.

so schreibt Viktor Jerefejev in der WELT. Da sieht man mal, wie schnell man “ankommen” kann