Kategorien: Eventualisierung

überraschend? wirklich?

Wen überrascht die Nachricht vom Tod Michael Jacksons? Die Tagesschau jedenfalls, wenn sie titelt: 

Michael Jackson überraschend gestorben.

Jeden anderen Menschen, der irgendwie seine fünf Sinne beeinander und seinen Verstand auch noch nicht abgegeben hat, überraschte diese Meldung wohl nicht. Eher noch, daß er überhaupt noch lebte.

 

MRR findets banal und ich fremdschäme mich

Herr Reich-Ranicki nimmt die Dinge ernst. Wenn es einen "Deutschen Fernsehpreis" gibt, mit dem er geehrt werden soll, dann nimmt er den Preis ernst, weil er sich selbst auch ernst nimmt.
Und dann erlebt er das.
Und weigert sich, den Preis entgegenzunehmen.

Gut! Leider ist die Berichterstattung nicht so ausführlich, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hätte gerne seine deftigen und treffenden Aussagen gelesen.

Allein ein Zitat aus dem Tagesspiegel-Bericht:
Die Serien und Shows, die für den Fernsehpreis der großen Senderfamilien ARD, ZDF, Sat1 und RTL nominiert wurden, bezeichnete der seit ehedem streitbare Literaturkritiker schlicht als "Blödsinn".

Aber wie der Tagesspiegel dann auf die Idee kommt, von Senderfamilien zu sprechen, verschließt sich mir vollends.

Über ein Jahrzehnt sei "Das literarische Quartett" der Pflichttermin für Literaturbegeisterte gewesen, hatte der Vorsitzende der Stifter, ZDF-Intendant Markus Schächter die Entscheidung begründet. Reich-Ranicki sei es gelungen, Literatur mit dem Publikum zu vereinen.
Tja, Literatur vom Publikum wieder zu trennen, dafür brauchten die nun Auszeichnenden kein Jahrzehnt. Das haben die schneller hinbekommen.
Marcel Reich-Ranicki
Das Bild stammt aus der Webseite des Deutschen Fernsehpreises, die sich genauso verhält, wie Herr MRR das kritisiert, laut und hässlich und vor allem dümmlich.

Spannend ist nun, ob die Aufzeichnung gesendet wird…

Die Reihe der bisherigen Preisträger ist auch illuster: 9 Herren und eine Frau, Inge Meysel. Das Lebenswerk von Frauen spielt sich eben doch nicht im Fernsehen ab.
Und wenn ich mir dann die Laudatoren ansehe, schäme ich mich. Fremdschämen ist das richtigere Wort.

PS zur Webseite:
ja, das passt: für solche peinlichen Webauftritte ist Joomla! das richtige ContentManagementSystem.
Wunderbare Wahl. Wie Mist doch immer wieder zu Mist kommt…
Oben auf der Seite prangt ein wunderbares "Mambot", welches auch noch falsch zählt:

"Noch -1 Tage bis zur Verleihung"
Ich denke, der Minus-Tag war gestern, am Samstag, als diese unsägliche Gala abgehalten wurde..

wer kränkt die Fliegen?

Der Perlentaucher zitierts und ich zitiere es auch, weil mir Georgi Gospodinovs Beobachtung zu denken gibt:

“Erstens, die Fliegen sind mehr als nur eine. Zweitens, sie sind lebendig. Und drittens, sie bleiben nicht an einem Ort. An dieser Stelle unterbrechen wir die Geschichte, weil es den empfindlichen Lesern schlecht wird, die Damen sich übergangen fühlen und die Analogien sich in Allegorien verwandeln. Man kann einfach keine Geschichte mehr erzählen, ohne jemanden zu kränken.”

Wie blöd (oder wie deutsch) bist du wirklich?

Was kommt als nächstes? Die Asyl Show oder das Hartz IV Quiz? Natürlich nur als “ein Stück Unterhaltung” begriffen. Da die in Deutschland lebenden EU-Ausländer bei den Fernsehquoten nicht mit erfasst werden, weiß man nicht, ob sie die Sendung gesehen haben. Das ist die Gruppe, für die der Einbürgerungstest erfunden wurde. Oh, Deutschland, wie deutsch du bist, das hat sich – ganz original – am Donnerstag Abend gezeigt.

fragt die Frankfurter Rundschau und hätte gerne noch ein bißchen krasser formulieren dürfen.

Gregorianik für den materialismusgeschädigten Pop-Plebs

Ich gebe Udo Feist und seinem Artikel Etwas Heiliges und Heilsames in der RF recht, wenn er zum Schluß konstatiert:

Der Pop säkularisiert mit Produkten wie “Chant” die religiöse Musik. Dem Markt und den sich dort bedienenden Individuen neue Sinnbedürfnisse zu unterstellen, erscheint weit hergeholt. Sie verhalten sich lediglich marktkonform – und ziehen sich Gregorianik rein. Ein Ausrutscher, aber kein Symptom.

Ich sehe jedoch einen Unterschied bei den Rezipienten:
Gläubige werden diese Musik als Andachts-Äußerung wahrnehmen, Un-Gläubige (und das sind wohl die Meisten) so wie im Artikel beschrieben.
Aber wie immer ist die Masse das Ziel. Da hat er recht.

Lärmkraftwerke

nennt Uwe Justus Wenzel die Fußball-Arenen ohne Fußball-Platz, wie sie nun überall in den Städten aufgebaut sind.

In einem emotionsgeladenen, aber trotzdem nur allzu wahren Artikel in der NZZ nennt er Roß und Reiter, Handlanger und Opfer.

Es gibt viele Opfer: Steuerzahler, Lärmgeschädigte, Retardierte…

aber am besten selber lesen, dann können Sie mich vielleicht verstehen.

Hamburg findet zu sich selbst: 14 Stunden Kunst und Shopping

das kann ja auch nicht angehen: eine ganze Nacht nur Museen und Gallerien offen… das ist doch nichts für einen Hamburger! Da muß doch noch was Anderes sein!

Zwar bleibt die Kunst nach wie vor nicht käuflich, und wie schon bisher werden Deichtorhallen, Kunstverein, Freie Akademie, Kunsthaus, Galeriehaus, Zentralbibliothek, Goethe-Institut, Instituto Cervanters, Museum für Kunst und Gewerbe, Kunsthalle, Haspa-Galerie und Bucerius-Kunst-Forum ein vielfältiges Programm vor und hinter den jeweiligen Kulissen anbieten, doch damit nicht genug: Erstmals sind nun auch die Geschäfte auf der Spitaler- und der Mönckebergstraße parallel geöffnet. Und einige Konsumtempel präsentieren sogar ein eigenes Kulturprogramm.

Von Synergien ist viel die Rede, die Einzelhändler erhoffen sich kauffreudige Kunstfreunde, und die ewig klammen Kunstinstitute haben nun dank der Unterstützung der Kaufleute erstmals die Möglichkeit, flächendeckend für den Tag der Kunstmeile zu werben.

Und nächstes Jahr heißt das dann “14 Stunden Shopping und Kunst” und danach überläßt man die Kunst wieder den Alleinunterhaltern und Silvermen und südamerikanischen Elcondorpasas….

und alles ist wieder im Lot. Oder war was?

Docutainment … ein neues Wort für Verdummung

Ballinstadt Hamburg:

Nachgebessert wird auch in der Ausstellung selbst. Die beginnt mit den Träumen der Auswanderer – vorgetragen von sprechenden Puppen. Nur reden alle gleichzeitig, sodass der Besucher keiner Biografie folgen kann. “Die Idee kommt gut an, aber die Geräuschkulisse ist einfach zu groß. Deshalb werden wir Kopfhörer anbieten”, sagt Siepmann. Insgesamt setzt das Konzept vor allem auf “Docutainment” – und damit mehr auf detailgetreu und durchaus liebevoll inszenierte Geschichte als auf originale Atmosphäre: Auf dem Pfad, der den Besucher von Hamburg nach New York führt, informieren bewegte Bilder und Installationen über die Situation der Auswanderer. Im Gegensatz zu den Auswanderern von damals bleiben die Besucher nur etwa zwei Stunden in der neuen (Museums-)Welt.

Und im Gegensatz zu den Auswandern … da wird Elend und Not mit Freizeitgestaltung gleichgesetzt
So verniedlicht man Geschichte und das auch noch stümperhaft.
Und die Presse macht mit.

Der Wohlfühl-Dalai-Lama

ist schon wieder weg.

Er hat Tausende Hamburger glücklich gemacht.

Das ehrt ihn. Stellt sich uns Unglücklichen nun die Frage, wie wir das Schafsgrinsen aushalten.

Immerhin hat es die Stadt nichts gekostet. Das unterscheidet einen Re-Inkarnierten von einem gescheiterten Präsidentschaftskandidaten. Dessen Klima-Massenauf bezahlt der Hamburger Steuerzahler mit fast einer Million Euros.
Und dessen Publikum hat noch nicht mal gesegnete Schokolade bekommen…

Jeder Feuilleton, der auf sich hält, sollte

eben nicht diesen Wahn mitmachen

hört endlich auf mit dem Wahnsinn