Ich kann nicht weiter pseudo-liberal sagen, zu dem Thema “Urheberrecht” kann jeder seine eigene Meinung haben, da könne man geteilter Meinung sein, nein, meine Meinung verfestigt sich immer mehr:
Die intellektuelle Leistung eines Menschen muß ihn ernähren können, der Urheber hat ein Recht auf eine angemessene Vergütung, und angesichts der Neuen Medien muß eine Reform des Urheber-Rechtes die Rechte der Urheber auch jetzt und in Zukunft sichern.
Geschieht dies nicht, geht die Kultur unter. Und mit ihr die Grundlage einer jeden zivilen Gesellschaft. Geschieht dies nicht, fallen wir in einen neu-digital-feudalistischen Zustand, kulturhistorisch in einen vor-aufklärerischen Zustand.
Angesichts der festzustellenden Verschärfung der Diskussion, die schon längst mehr ist als “nur” Diskussion, gehen mir viele Gedanken durch den Kopf.
Ich sehe auch Journalisten als Urheber und ich habe Magengrummeln, daß ausgerechnet die Printmedien, welche die Arbeit der Journalisten einmal entlohnen, dabei alle Rechte übernehmen und dann diese Arbeiten mehrfach verwerten, sich auf die Seite der Intellektuellen stellen, wohl um von ihrer unrühmlichen Rolle bei der Vergütung journalistischer Arbeiten abzulenken.
In unserer Republik hat jeder Mensch gleiche Rechte und genießt gleichen Schutz. Ebenso wie jeder das Recht auf körperliche Unversehrtheit hat, darf niemand um die Früchte seiner Arbeit gebracht werden.
Erschreckt und entsetzt hat mich die Aktion dieser anonymen Veröffentlicher, die da hingehen, ein MashUp aus verschiedensten privaten Daten von Unterzeichnern eines Manifestes zusammenzustellen und diese Daten veröffentlichten.
Private Daten (Adresse, Telefon) eines Gegners zu veröffentlichen = das ist in diesem Zusammenhang Aufruf zum Pogrom, Anstiftung zu Gewalttaten. Das ist eine digitale Fatwa.
Diese Aktion folgt den gleichen Denkmustern wie die faschistische Bücherverbrennung.
Gedankenlose, kulturlose, hirnlose, scheinheilige und feige Kerle verstecken sich hinter ihren Pseudo-Masken. Sie selbst bleiben anonym, verstecken sich, und kommen jetzt mit der üblichen Kinder-Ausrede: Ich habe mir nichts dabei gedacht, so habe ich das nicht gemeint, das habe ich nicht gewollt.
Da lese ich in einer anonymen Veröffentlichung den nachfolgenden Text und bekomme das Kotzen:
Fakt ist bei dieser Geschichte, dass niemand bedroht wird und Anonymous auch niemals dazu aufrufen würde, jemanden zu bedrohen. Vielleicht wirkt es auf den ersten Blick bedrohlich – wenn Daten von Personen veröffentlicht werden, doch diese Daten sind im Netz frei zugänglich und jeder, der nicht gut auf einen der Künstler zu sprechen wäre, könnte ohne Weiteres so oder so an diese Daten kommen, welche veröffentlicht worden sind.
“Wer den Schlussatz in den pastebins als Drohung sieht, hat den Sinn der Aktion nicht verstanden”, betont ein Anon.
.. hat die Aktion nicht verstanden …. aber zieht die richtigen Schlüsse?
Da heißt es:
Mehrere Aktivisten des losen Kollektivs “Anonymous” (mit dem sich jeder identifizieren kann) …welch eine Anmaßung und zugleich welch eine Feigheit.
Da heißt es:
Wer sich den Text dieser www.wir-sind-die-urheber.de genau durchliest bzw. auch mal zwischen den Zeilen liest, wird merken das diese Künstler, Journalisten, Autoren oder wie auch immer, Handelsabkommen wie ACTA oder eine VDS gegen Filesharer in Kauf nehmen würden, um ihre Werke zu schützen und um mehr Geld zu verdienen!
Kultur ist mehr und für uns alle wertvoller und für eine Gesellschaft lebensnotwendiger als heruntergesaugte Raubkopien von FileSharern für diese rechtschreibschwachen Feiglinge.
Das ist faschistisches Handeln, gepaart mit einer unsäglichen Feigheit. Und einer Ignoranz, die mich verzweifeln läßt. Diese kalte Ablehnung, Geringschätzung der Kultur und der Kulturschaffenden nähert sich bedrohlich dem fundamentalistischem Denken.
Noch eine Fußnote:
Interessant ist weiterhin, daß die Fatwa gegen den iranischen Rapper mehr Medienaufmerksamkeit bei uns findet als die digitale Fatwa gegen die Unterzeichner eines Manifestes.