Kategorien: EigenHype

Ist Lesen gleich Lesen?

Da kündigt das Hamburger Abendblatt eine Lese-Offensive an.
Aber worum geht es? Um eine Lese-Ecke, in der dann das Hamburger Abendblatt ausliegt.

Und wer bezahlt das?

Das Hamburger Abendblatt macht den Wind: Das Hamburger Abendblatt spendet Lese-Ecken für Schulen.

Die Schulen stellen den Raum zur Verfügung.

"Paten" zahlen die Abos.

Macht das Sinn? Ich meine nein. Hier wird unter falscher Flagge gesegelt.
 

  1. Es geht hier um weiterführende Schulen.
    Das Lese-Vermögen muss aber in den ersten Lese-Jahren befördert werden.
    Nur liest ein Erstkläßler eben kein Hamburger Abendblatt.
     
  2. Zeitung lesen ist nicht das ganze Lesen. Lesekompetenz wird beim Zeitungslesen benötigt, aber nicht durch Zeitungslesen herausgebildet.

 

Wer liest, braucht etwas Ruhe. Einen Platz, der zum Verweilen einlädt, der eine schöne Leseatmosphäre schafft. Das Hamburger Abendblatt wird für weiterführende Schulen Hamburgs solche kleinen Oasen schaffen, in denen Schüler ihr Abendblatt täglich finden können. Wir stiften Lese-Ecken für Schulen.

Schul-Marketing nennt man das. Und das ist eigentlich nicht erlaubt. Verlogen bis dorthinaus.

Nachtrag: In anderen Branchen nennt man so ein Verhalten "Anfixen".

Und interessant ist, daß sämtliche Kommentare zu dem Artikel  (auch meiner natürlich) mitsamt Kommentarfunktion auf der Webseite entfernt wurden.

Da ist die Redaktion ja ganz nah am Geschehen!

 

Wann ich zuletzt etwas aufregendes erlebt habe..

da wagt es doch eine Billig-Telefongesellschaft, mich in einem Newsletter so etwas zu fragen und bietet mir mir irgendwelchen Promotionschrott als Aufregung an.

Welcher Zynismus muss da herrschen, daß Simyo so seine Kunden anspricht?

Urbanität und pubertäre Großmannssucht

Tja, da sind die Herren mit den Legobaukästen ganz ganz schnell beleidigt und fühlen sich auf ihren richtig teuren Schlips getreten, wie man in der NZZ nachlesen kann:

Weil das Modell Dubai vielerorts Nachahmer finde, dürfe man es nicht nur belächeln, sondern müsse bei Ausschreibungen des Scheichs mitmachen, um bessere Bauten einzubringen, erklärte Reinier de Graf. Was er dann allerdings an Vorschlägen bot, fiel beim Auditorium als «pubertäre» Grossmannssucht durch. Schwer beleidigt war der Holländer. Lebendige Urbanität indessen sieht anders aus.

Blogger tagen und beweihräuchern sich

Wenn Blogger zusammenkommen, dann meinen sie, die “Journalisten der Zukunft” zu sein.
Und bestätigen sich das gegenseitig.
Dabei haben sie aber meistens das Wichtigste vergessen:

  • daß sie nicht der Nabel der Welt sind
  • daß Informationsvermittlung nicht reicht, wenn man keine Kriterien für Relevanz und Bewertung hat außer dem eigenen Ego
  • daß Twitter keine Nachrichtenagentur ist

Die FAZ fasst es folgendermaßen zusammen:

Sollte die Berichterstattung binnen fünf bis zehn Jahren tatsächlich von alternativen Medien, etwa dem Bloggen und dem Onlinejournalismus, getragen werden müssen, wäre viel Arbeit zu leisten. Die Podiumsdiskussion reduzierte den Begriff des Journalismus auf den der Informations- und Nachrichtenübermittlung. Analyse, Reportage oder Essay sind Fremdgattungen in einem Diskurskosmos, der seinen Kurs ständig mit den neuesten technischen Fortentwicklungen abzugleichen hat und daher keine Zeit zu inhaltlicher Beschäftigung findet. Die Frage, welcher der Tagenden eine eigenständige Vorstellung einer wünschenswerten Zukunft entwickelt hatte, die sich nicht in der Anpassung an das erschöpft, was die Kommunikationsindustrie auf den Markt spült, wollte man da lieber nicht stellen.

und erhält einen treffenden Leserkommentar, der meine obige Aussage nur bestätigt:
bloggen hat sicher mehr zukunft als politisch korrekter alter Journalismus
Das schlimme ist ja, dass wir in den “alten” Medien nicht nur pc serviert bekommen sondern, dass anscheinend Zensur stattfindet und niemand sich in den Medien wehrt.

was ja eine unglaublich kritische und reflektierte Meinung ist…