ich habe meinen Ärger zurückgehalten, nicht gleich polemisiert gegen die Documenta XII, die ich mir kurz vor Ausstellungsschluß noch angesehen habe.
Nun habe ich mich überprüft und siehe da, der Ärger ist immer noch da.
Worüber habe ich mich geärgert?
Daß ich als gutwilliger Kunstliebhaber und – Betrachter so verachtet werde.
Wieso verachtet? Weil ich mir Mühe gebe in der Auseinandersetzung mit der Kunst und dies auch von den vermeintlichen “Künstlern” und den “Kuratoren” erwarte.
Und was bieten mir diese an? Scheißdreck, auf gut deutsch.
Nur zwei,drei Beispiele, die mich aber doch sehr geärgert haben (ich nenne keine Namen, weil ich die mir nicht merken möchte und ich zitiere auch nicht aus dem Katalog, wie ich eigentlich vorhatte, weil ich mich dann noch mehr ärgern müsste)
da stellt doch eine Künstlerin die erstaunliche “Plastizität” von Kaugummi fest, daß der immer wieder neu aussieht, wenn man ihn aus der Gosche nimmt, und deshalb bappt sie diese Klumpen auf ein Mäuerchen und fotografiert sie.
Ja, mein Gott, wäre das Zeig nicht plastisch, hätten sich Millionen von Amis die Zähne ausgebissen…..
da stellt und legt eine Künstlerin Belüftungsanlagenteile in den Raum oder hängt sie an die Decke und postuliert
=> “weg vom autoritären Künstler – hin zur Partizipation” danke, ich spiele normalerweise nicht mit Bauklötzchen und hasse Baumärkte
=> “weg von der Kunst – hin zum Alltag”
Ja warum hat sie dann die Teile nicht gleich im Baumarkt gelassen????
da hängt eine Photographie vom Künstler auf der Schulter des großen Majakovski-Denkmals in Moskau an der Wand, damit ein geschwätziger Kurator damit angeben kann, daß er mal in einer WG in Moskau gewohnt hat und das Denkmal (ohne diesen Künstler) aus seinem Fenster sehen konnte… O mein Gott!
Da sind wir aber froh für ihn…
Nein, diese Dokumenta war eine Meisterleistung des “Kaisers Neue Kleider – Prinzips”: statt “Er hat ja gar nichts an” nun eben “das ist nicht Kunst”
Warum soll ich mir Geo-Reportagen aus dem Kongo ansehen auf einer Kunst-Ausstellung?
Warum soll ich auf einem Videoschirm einem muslimischen Prediger zuhören?
Warum soll ich mir Video-Spielereien mit Fussball-WM-Schnipseln ansehen?
Noch einmal hinter Eure Ohren:
KUNST HAT AUCH RÄTSEL, KUNST IST MEHRDEUTIG UND NICHT PLATT,
KUNST ist auf keinen Fall eine Gesamtschau von Mittelstufen-Projektwochen
und auf Projektwochen-Niveau war diese Veranstaltung zweifellos.
Und mich ärgert das. Dieses ganze Oberstufengetue, sei es die Galerie für Landschaftskunst in Hamburg, sei es die Documenta, immer dieses “schaut her, wir haben mit Klötzchen gespielt… und Ihr müßt das nun für Kunst halten” geht mir echt auf den Keks,
weil es mich unterfordert.
Und weil es die Kunst tötet.
Wie schrieb ein Kritiker schon (und wie recht hatte er):
Die documenta 12 wird als höfische Inszenierung im Gedächtnis bleiben. Sie ist ein Akt der Willkür, der selbstgefällig die eigene Subjektivität dem Rest der Welt als Anreiz zum Nachdenken verkaufen will. (Gerrit Golhlke bei ArtNET)