Kategorien: Des Kaisers neue Kleider

Peinlich ist gar kein Ausdruck

da wird einer, kaum der Klippschule entsprungen, zum Wirtschaftsminister, weil sonst keiner da ist, und, obwohl er wohl von altem Adel, reden viele von "frischem Blut".

Der Witz ist nur, er lebt genau die gleichen öden Klischees von etlichen Generationen vor ihm.
Er hat Gel im Haar, aber keine Klasse.

Dafür läßt Herr von und zu Möchtegern sich am Times Square fotographieren, hält Hof wie Paris Hilton.

Und ein Washington-Korrespondent der ARD gibt dann ellenlange Elogen von sich zu diesem Möchtegern-Staatsbesuch, wie gut er englisch könne (ja, Performance comes from Power oder so ähnlich wohl), wie er die GM-Bosse nach Washington zitiert habe etc.
Nachdem der Korrespondent genug Schmus abgesondert hat, antwortet er wortkarg auf die Frage, ob dieser Power-Super-OberGeil-Besuch denn irgendetwas bewirkt habe oder wenigstens ein bißchen wahrgenommen worden sei in USA,

nein, eigentlich nicht.

Tja, so sind wir. Wenn uns niemand liebt, dann finden wenigstens wir uns toll und die ÖffentlichRechtlichen sind halt nur Hofberichtserstatter.

In der Presse? Siehe hier,Der kleine Baron in der grossen Stadt... gut gebrüllt, Löwe!

 

Redakteure, die die Welt nicht braucht

Hunde-Freak und Magazin-Junkie…

Chefredakteur Thomas Niederste-Werbeck freut sich: Ich bin selber Hunde-Freak und Magazin-Junkie und von daher war es für mich ganz klar, dass es so ein Magazin geben muss.”

Nachbetrachtung

ich habe meinen Ärger zurückgehalten, nicht gleich polemisiert gegen die Documenta XII, die ich mir kurz vor Ausstellungsschluß noch angesehen habe.

Nun habe ich mich überprüft und siehe da, der Ärger ist immer noch da.
Worüber habe ich mich geärgert?

Daß ich als gutwilliger Kunstliebhaber und – Betrachter so verachtet werde.
Wieso verachtet? Weil ich mir Mühe gebe in der Auseinandersetzung mit der Kunst und dies auch von den vermeintlichen “Künstlern” und den “Kuratoren” erwarte.
Und was bieten mir diese an? Scheißdreck, auf gut deutsch.

Nur zwei,drei Beispiele, die mich aber doch sehr geärgert haben (ich nenne keine Namen, weil ich die mir nicht merken möchte und ich zitiere auch nicht aus dem Katalog, wie ich eigentlich vorhatte, weil ich mich dann noch mehr ärgern müsste)

da stellt doch eine Künstlerin die erstaunliche “Plastizität” von Kaugummi fest, daß der immer wieder neu aussieht, wenn man ihn aus der Gosche nimmt, und deshalb bappt sie diese Klumpen auf ein Mäuerchen und fotografiert sie.
Ja, mein Gott, wäre das Zeig nicht plastisch, hätten sich Millionen von Amis die Zähne ausgebissen…..

da stellt und legt eine Künstlerin Belüftungsanlagenteile in den Raum oder hängt sie an die Decke und postuliert
=> “weg vom autoritären Künstler – hin zur Partizipation” danke, ich spiele normalerweise nicht mit Bauklötzchen und hasse Baumärkte

=> “weg von der Kunst – hin zum Alltag”
Ja warum hat sie dann die Teile nicht gleich im Baumarkt gelassen????

da hängt eine Photographie vom Künstler auf der Schulter des großen Majakovski-Denkmals in Moskau an der Wand, damit ein geschwätziger Kurator damit angeben kann, daß er mal in einer WG in Moskau gewohnt hat und das Denkmal (ohne diesen Künstler) aus seinem Fenster sehen konnte… O mein Gott!
Da sind wir aber froh für ihn…

Nein, diese Dokumenta war eine Meisterleistung des “Kaisers Neue Kleider – Prinzips”: statt “Er hat ja gar nichts an” nun eben “das ist nicht Kunst”

Warum soll ich mir Geo-Reportagen aus dem Kongo ansehen auf einer Kunst-Ausstellung?
Warum soll ich auf einem Videoschirm einem muslimischen Prediger zuhören?
Warum soll ich mir Video-Spielereien mit Fussball-WM-Schnipseln ansehen?

Noch einmal hinter Eure Ohren:

KUNST HAT AUCH RÄTSEL, KUNST IST MEHRDEUTIG UND NICHT PLATT,

KUNST ist auf keinen Fall eine Gesamtschau von Mittelstufen-Projektwochen

und auf Projektwochen-Niveau war diese Veranstaltung zweifellos.

Und mich ärgert das. Dieses ganze Oberstufengetue, sei es die Galerie für Landschaftskunst in Hamburg, sei es die Documenta, immer dieses “schaut her, wir haben mit Klötzchen gespielt… und Ihr müßt das nun für Kunst halten” geht mir echt auf den Keks,

weil es mich unterfordert.
Und weil es die Kunst tötet.

Wie schrieb ein Kritiker schon (und wie recht hatte er):
Die documenta 12 wird als höfische Inszenierung im Gedächtnis bleiben. Sie ist ein Akt der Willkür, der selbstgefällig die eigene Subjektivität dem Rest der Welt als Anreiz zum Nachdenken verkaufen will. (Gerrit Golhlke bei ArtNET)

The Journal as Functional Art

Für uns ist ein Traveller die Art von Reisenden, den man in einemm verfallenem Hotel in Belize kennenlernt, ist die Art von Unbekannter, der einem an der Bar Tipps für das Trampen durch Kolumbien gibt und selbst schon von dunklen Gestalten aus seinem verbeulten VW-Käfer gekidnappt wurde. Ein Traveller ist das, was uns lang vergessene Erinnerungen zurückruft und die Frage stellen lässt, was wohl passiert wäre, hättten wir damals den Bus nach Kathmandu nicht verpasst…

Was das ist? Das ist ein Werbetext für Notizbücher!

Nicht genug, daß man mit einfachen schwarzen Kladden, wenn man nur Hemingway und die anderen üblichen Verdächtigen oft genug nennt, ein Vermögen scheffeln kann, nun muss man, um als Konkurrent angenommen zu werden, die Grammatik dermassen verbiegen und die übelsten Klischees vom Stapel lassen..

Zudem fleddert diese Firma auch noch auf übelste Weise die Kunstgeschichte von Asien bis Südamerika + 19. Jahrhunderts..

Alles für den gemütlichen Neo-Spießer

eminent “eminem”

also, das ist schon atemberaubend, wie aus Fürzen und anderen Geräuschen hier “Kunst” herbeigeredet wird:

Eine Preisgabe des Intimsten, Schambehafteten ist das trotzdem nicht; es ist, als direkter Ausdruck von Körperlichkeit, immer noch Mittel zur Kommunikation – ein Konzept, das in hart-martialischer Form auch Musiker wie Henry Rollins im Repertoire haben. Eminem hat mit dieser partiellen Sprachlosigkeit zweifellos einen Endpunkt erreicht – wie es heißt, soll dies sein letztes Album sein – und darüber hinaus noch etwas anderes: Der Mainstream, in dem er als einer der wenigen Rapper angekommen ist, duldet nun offenbar künstlerische Äußerungen, die über die bei Hip-Hop-Produkten mit den üblichen Hinweisen auf explizite Texte markierte Hemmschwelle noch hinausgehen.

so steht es in der FAZ, ich mag es kaum glauben