Wer Opfer ist, bestimmen wir
Für die Stammtische zumindest ist aus dem Opfer Masri, dem man früher schon eher skeptisch begegnet war, jetzt endlich der Täter geworden. Die Unbarmherzigkeit gegenüber Schwächeren beschränkt sich nicht nur auf manche Autoren bei Bild. Masri wird – angeblich mangels Glaubwürdigkeit – das Recht abgesprochen, Opfer sein zu dürfen. Da wird einem, der außer seiner Opfergeschichte nicht mehr viel hat, der Boden weggerissen. Die Skepsis der Straße, das alltägliche Vorurteil, das ihn kaum noch nach draußen gehen ließ, bekommt die Bestätigung durch die Gossenpresse.
Dass der CIA-Ausschuss des Europaparlaments und der BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages die Glaubwürdigkeit von Masri bestätigt haben, ist für die da draußen nebbich. Dass Masri großes Unrecht widerfahren ist, haben diverse Politiker diverser Parteien erklärt: na und. Dass die Staatsanwaltschaft München gegen seine amerikanischen Entführer, vermutlich CIA-Agenten, internationale Haftbefehle beantragt hat: ach ja. Einer wie er kann von allen niederkartätscht werden.
Die Süddeutsche spricht aus, was die Gossenpresse treibt.
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