Auf Nachfrage erklärte Ehrhart Körting schließlich, die Sicherheitslage habe sich durch die enorme Publizität des Falls nicht erhöht. Es gebe zwar weiterhin die abstrakte Sicherheitsgefährdung, aber keine konkreten Hinweise. Als auch er sich nebenbei für eine Wiederaufführung des Stückes ausspricht, bricht sich im Publikum eine Empörung Bahn, die schon lange in der Luft gelegen hat. Die lärmende Mehrheit braver Opernbesucher will offenbar eine mannhafte Entschuldigung des Senators. Es empört sie, wie Politik und Verwaltung die Intendantin erst zu einer falschen Entscheidung gedrängt, dann allein gelassen haben und am Ende über sie hergefallen sind. Was immer Harms jetzt sagt, es wird mit prasselndem Beifall quittiert.

Körting und Flierl sagen zu ihrer Verantwortung nur das Allernotwendigste und das schmallippig. Aber man sieht doch, die Sache bedrückt sie. Diese Gesellschaft, die dort auf dem Podium sitzt und stellvertretend für die ganze Gesellschaft bestückt ist, ist sich bei allen Unterschieden der Bedeutung der Freiheitswerte lebhaft bewusst. Jenseits der Schuldfrage weiß hier nun jeder, dass die Absetzung des Stücks falsch war. Es sind eben auch Dummheiten, die den Geist schärfen. Kirsten Harms ist bereit, Idomeneo wieder auf den Spielplan zu nehmen. Für diesen Fall, sagt sie, und nun strahlt sie, die Siegerin dieser Veranstaltung, in den Saal, “erbitte ich sehr herzlich ein schlüssiges Sicherheitskonzept.”

Die Berliner Zeitung resümiert die Berliner Diskussion,

der Tagesspiegel berichtet noch: Nachdem die Fernsehkameras der Veranstaltung ausgeschaltet waren, nutzte Intendantin Harms die Chance für ein persönliches Schlusswort. “Nach den ersten Presseveröffentlichungen war ich am Verzweifeln”, bekannte sie und bedankte sich beim Publikum für die vielen Briefe mit weitaus differenzierteren Meinungen, die sie in den letzten Tagen erhalten habe. “Dies machte es mir möglich, weiter zu inszenieren.” Am 15. Oktober hat Kirsten Harms Inszenierung von Alberto Franchettis Oper “Germania” Premiere.

Das freut mich für Frau Harms.