Und noch etwas zeigt sich in der Entgleisung bei der diesjährigen Eröffnung des Weimarer Kunstfestes. Es ist jene Wurschtigkeit im Umgang mit der Kultur und der geistigen Welt insgesamt, an die wir uns schon so gewöhnt haben, dass sie uns nur noch aus Anlass solcher extremen Faux Pas auffällt. Eine Zeit, die stolz darauf ist, Berührungs- oder gar Schwellenängste vor der Kultur abgebaut zu haben, darf sich aber nicht wundern, wenn nun Krethi und Plethi im kleinen, feinen kulturellen Paradiesgärtlein herumstampfen und dabei von einem Fettnäpfchen zum anderen wanken.

Das Feedback für Leute, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit drauflos quatschen oder schreiben, was ihnen an Gedanken zur Kultur so durch die Birne rauscht, diese Feedback bleibt leider allzu oft aus. Kein Wunder, dass die Unberufenen und Unberatenen da glauben, dass sie sich alles erlauben können.

Schließlich ist es ja auch “nur” die Kultur. Die allgemeine Zugänglichkeit, aber auch die sogenannte Erweiterung des Kulturbegriffs, schließlich die Eingemeindung von Kunst und Kultur in die oberflächlichen Rituale der “Ereignisgesellschaft”, all das hat den Menschen jenes Stocken und Zögern, jenes Innewerden und Heilighalten genommen, das lange Zeit in unseren Breiten zum Umgang mit der geistigen Welt gehörte.

Auszüge aus Krauses Klartext: Haltet heilig!