Zweipfennig-Gedudel anstelle
DreiGroschenOper.
Ach ich liebe es, wenn die Rechnung nicht aufgeht. Wenn die Medien jede kritische Haltung von vornherein abgeben und devot jeden Knochen aufnehmen, den man ihnen zuwirft.
Und wenn dann alles so gnadenlos baden geht. Wie eben jetzt in Berlin.
Aber die dabei waren, die haben das wahrscheinlich gar nicht gemerkt.
Die WELT jedoch schimpft. Sehr amüsant. So ist das, wenn Popanze aufgeblasen werden, irgendwie in BB's Sinne?
Und Brandauer? Er wurde ausgebuht. Seine “Dreigroschenoper” war nicht mehr als schlappes Zweipfennig-Gedudel. Ein selbst ernannter Mount Everest kreißte und gebar ein lahmes graues Mäuslein.
Eben: wie die Überschrift sagt: Kukident für den Haifisch Um es gleich klar zu stellen: Wir hatten nicht erwartet, dass eine kostspielige Event-Produktion auf dem breiten Boulevard das Regietheater neu erfindet. Was wir jedoch wenigstens erwarteten, war das Herausputzen eines Juwels der Theatergeschichte, auf das man sich selbst seinen Vers drauf mache. Ist doch die Strahlkraft des Stücks in jeder Hinsicht ungebrochen – wenn man es nur strahlen lässt. Was aber tut der Regisseur, der sich so viel auf sein Handwerk zu gute hält? Er pfuscht.
Er bringt den Dirigenten Jan Müller-Wieland nicht auf Trab, dessen Babelsberger Filmorchester schrammelt wie eine müde Kurkapelle. Er lässt es zu, dass Szenarist Roland Zechner die Bühne mit plüschigem Plunder bestreut, dass der Lichtgestalter Michael Frank alles im tiefen Dustern belässt. Besonders blöd ist, dass hinter dem halbhohen weißen Vorhang, der die Szenenumbauten sichtbar lassen soll und als Brecht-Gardine berühmt wurde, ein schwarzer Zweitvorhang den Laden dicht macht. Oder war das statt eines originellen Kalauers ein Brandauer über Brechts V-Effekt?
Überhaupt: Brandauer hat nicht eine zündende Idee, nicht einen Hauch von Haltung zum Heute, wenn man vom Einsatz einer Black & Decker-Handbohrmaschine sowie von zwei Handys absieht.
http://www.welt.de/data/2006/08/14/996461.html?s=1
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