Bildungsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen mal wieder
ein wichtiger Beitrag in der Berliner Zeitung
Um Mitternacht
Eine großartige Schulreportage wird von der ARD ins Spätprogramm abgeschoben. Das hat Methode
Gegen seelische Verwahrlosung
Natürlich gibt es für die Platzierung Argumente. Man kann sie in jeder TV-Illustrierten nachlesen. Zur besten Sendezeit hat die ARD ausschließlich unverzichtbare Produktionen von enormer gesellschaftlicher Relevanz anzubieten: Vorgestern lief um Viertel nach Acht eine fluffige Familienserie, gestern Fußball Champions League. Heute gibt es noch einen juxigen Krimi, morgen eine gedankenfreie Pferde-Oper, übermorgen zur intellektuellen Ertüchtigung mal wieder eine Schmonzette, am Sonnabend den “Musikanten-Dampfer” und am Sonntag einen “Tatort”. Der Bildungsauftrag lässt sich anscheinend unmöglich in der Prime Time und schon gar nicht am noch konsequenter durchtrivialisierten Vorabend erfüllen. Folglich muss diese heiligste Mission des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in die Nacht versenkt werden. Im vorliegenden Fall geschieht das vielleicht auch aus Scham darüber, dass exakt diese Programmpolitik auch ein Teil des Problems ist, das “Beruf Lehrer” so eindrucksvoll beschreibt.
“Beruf Lehrer” ist eine jener “gutgemachten altmodischen Reportagen”, wie sie Autor und Grimme-Preisträger Thomas Schadt selbst vor einem halben Jahr in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eingefordert hat: von sich, seinen Kollegen und den Programmplanern. Der Filmemacher beklagte den qualitativen Niedergang der TV-Dokumentationen, den Rückzug auf seifigste Formen, oberflächliche Emotionalisierung und die Vernachlässigung journalistischer Tugenden. Schadt sagte: “Die Frage ist doch: Gibt man dem einfach nach? Oder sagt man, nein, wir haben auch den Auftrag, zu einer guten Sendezeit im Hauptprogramm Dinge zu senden, die das Bewusstsein der Deutschen noch erweitern.”
Die ARD hat sich für Ersteres entschieden.
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